Plan T für Tourismus und Nachhaltigkeit

10. Mai 2019 Mehr

Mit 16% Anteil am BIP geben die über 90.000 in der Tourismus- und Freizeitwirtschaft tätigen Betriebe über 700.000 Menschen direkt oder indirekt eine Beschäftigung. Keine andere Branche ist in allen Regionen des Landes so verwurzelt und sorgt von den Städten bis in die entlegensten Täler für Wertschöpfung und Lebensqualität. Grund genug also sich auch politisch mit einer gemeinsamen Strategie für diese Branche zu befassen.

Die letzte strategische Beschäftigung mit dem österreichischen Tourismus liegt bereits fast zehn Jahre zurück. Damals fokussierte die Tourismusstrategie auf gemeinsames Marketing, Förderungen und Infrastruktur und zielte darauf ab, die Wettbewerbsfähigkeit zu fördern.
Nun wurde das Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus mit der Erarbeitung einer Gesamtstrategie für den Tourismus beauftragt, die vermehrt in die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen eingebettet ist und Vorteile für die Betriebe ebenso wie deren Mitarbeiter und die Wohnbevölkerung bringen soll. Rund 500 Branchenvertreter und -experten haben über ein Jahr lang einen Masterplan erarbeitet, der Mitte März 2019 von Tourismusministerin Elisabeth Köstinger in Salzburg präsentiert wurde.

Als Leitmotiv des „Plan T“ gilt das Thema Nachhaltigkeit. Der Klimawandel, die Umweltbelastung durch den Reiseverkehr, aber auch die Bedeutung der Digitalisierung für Tourismusbetriebe standen im Fokus. Darüber hinaus sollen kleine Betriebe entlastet, Bürokratie und Steuerbelastung reduziert werden. Mit diesen Maßnahmen und den bereits bewährten Förderungen sollen künftig auch längerfristige Investitionen wie etwa in die Energieversorgung, die nicht innerhalb von drei Jahren rentabel werden, realisierbar werden.
Wir fragten Frau Mag. Ulrike Rauch-Keschmann, Sektionschefin für Tourismus und Regionalpolitik, nach den konkreten Maßnahmen:

 

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Mag. Ulrike Rauch-Keschmann, Sektionschefin für Tourismus und Regionalpolitik

 

Was wurde nach der letzten gemeinsamen österreichischen Ausrichtung für den Tourismus umgesetzt?

Die Kernthemen der Tourismus-Strategie „Neue Wege im Tourismus“ 2010 waren neben den bewährten USP (Alpen, Donau, Städte & Kultur) Marketing, Förderung/Finanzierung, Innovationen, Infrastruktur und Rahmenbedingungen. Dazu wurden zahlreichen Maßnahmen wie die Förderung der alpinen Infrastruktur mit Schutzhütten und Wegen oder die verbesserte strategische Koordination im Marketing umgesetzt, der Österreichische Innovationspreis Tourismus (ÖIT) ins Leben gerufen und die laufende Vernetzung von Bund und Bundesländern in der Steuerungsgruppe und der EU-Koordinationsgruppe erreicht.

 

Was sind diesmal die großen Themen?

Die Nachhaltigkeit hat sich wie ein roter Faden durch den Prozess gezogen und wurde nun erstmals als Grundprinzip für den Tourismus in Österreich verankert.
Tourismus und Landwirtschaft prägen gemeinsam den ländlichen Raum. Eine stärkere Kooperation bietet enormes Potenzial für beide Seiten, wird vom Gast auch erwartet und daher auch im Masterplan berücksichtigt.
Auf die neuen Herausforderungen und Wettbewerbsverzerrungen der Plattform­ökonomie und Sharing Economy reagieren wir mit einer Informationspflicht für die Plattformen und einer Registrierungspflicht für alle Vermieterinnen und Vermieter.
Der Fokus der gewerblichen Tourismusförderung über die Österreichische Hotel- und Tourismusbank (ÖHT) liegt ab 2021 außerdem auf familien- und inhabergeführten Betrieben, etwa mit der Sicherung einer friktionsfreien Übergabe von einer Generation zur nächsten.
Weitere wesentliche Themen sind Digitalisierung und Arbeitsmarkt.

 

Warum Nachhaltigkeit? Und welche Maßnahmen sind hier geplant?

Unsere intakte Natur ist eines der Haupt-Urlaubsmotive unserer Gäste, gleichzeitig hat Tourismus Auswirkungen auf diese Ressourcen. Der Tourismus steht hier vor großen Herausforderungen.
Schon kleine Maßnahmen können einen großen Erfolg erzielen, von Energiesparmaßnahmen im Hotel bis zu Initiativen zur Plastikvermeidung.
Wir wollen aber auch Tourismusdestinationen verstärkt zu Klima- und Energie-Modellregionen entwickeln, erneuerbare Energiegemeinschaften auch für Tourismusbetriebe und -destinationen ermög­lich­en und z.B. das Österreichische Umweltzeichen im Tourismus durch maßgeschneiderten Zugang für Betriebe und Destinationen stärker etablieren.

 

Warum stehen familiengeführte Betriebe im Zentrum des Masterplans? Was ist konkret geplant?

Sie sind das Rückgrat des heimischen Angebots und sollen dem Gast auch in Zukunft authentische und typische Erlebnisse von Urlaub in Österreich bieten. Zusätzlich zum bestehenden Förderungsinstrumentarium der ÖHT, wollen wir mit dem neuen Instrument der Impuls-Calls noch rascher und flexibler auf Branchenbedürfnisse reagieren – für die Schwerpunkte Landgastronomie, Digitalisierung und Mitarbeitereinrichtungen werden wir heuer noch zusätzlich bis zu 1,5 Millionen Euro in die Hand nehmen.

 

Welche Schritte werden zur Reduktion von Auflagen und Bürokratie sowie zur Steuerentlastung gesetzt?

Erste Schritte für einfachere und einheitlichere Auflagen sowie praxistaugliche Verwaltungsabläufe sind mit der Plattform „oesterreich.gv.at“ und der App “Digitales Amt“ bereits gesetzt.
Bürokratische und finanzielle Erleichterungen vor allem für kleine Hotels konnten auch durch die bereits im Juli 2018 in Kraft getretene Genehmigungsfreistellungsverordnung erzielt werden.
Die Rücknahme der Mehrwertsteuererhöhung von 13 auf 10 Prozent im letzten Jahr war ein wichtiger Schritt, weitere sind klar im Regierungsprogramm festgeschrieben.

 

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Nachhaltigkeitsministerin Elisabeth Koestinger

 

Welche Pläne haben Sie, um den allseits bekannten Fachkräftemangel abzubauen?

Nur wirtschaftlich erfolgreiche Betriebe werden motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewinnen und halten können. Wir müssen die Besten vor den Vorhang holen und voneinander lernen.
Eine einfache Lösung für Mitarbeitermangel gibt es nicht – aber es gibt viele kleine Maßnahmen, um Menschen für Arbeit im Tourismus begeistern zu können. So wird es eine laufende Evaluierung der Ausbildungsvorschriften für Lehrberufe und der beruflichen Weiterbildung sowie deren Verortung im Nationalen Qualifikationsrahmen (NQR) geben.
2020 stellen wir den Österreichischen Innovationspreis Tourismus unter das Thema Innovative Mitarbeiterführung und -entwicklung.
Eine ganz aktuelle Erleichterung für die Tourismusbranche ist die neue Saisonierskontingent-Verordnung. Im Unterschied zu bisher gibt es nun eine Zusammenführung der Winter- und Sommerkontingente und eine Erhöhung der Kontingente um 4,5 Prozent, womit die Betriebe erstmals Planungssicherheit und Flexibilität für ein ganzes Jahr erhalten.

 

Spannend ist auch das Thema Digitalisierung. Was ist geplant und was erwarten Sie sich von diesen Maßnahmen?

Die Digitalisierung verändert den Tourismus von Grund auf, sie verändert die Abläufe im Hotel, die Urlaubsplanung und –buchung unserer Gäste und die Geschäftsmodelle. Hinzu kommt, dass immer mehr Urlaubsdestinationen die Gäste umwerben – der weltweite Wettbewerb wird immer härter und die Konkurrenz schläft nicht. Und letztlich werden die Gäste – zu Recht – immer anspruchsvoller und fordern höchste Qualität.
Mit einem Sonderbudget soll die Österreich Werbung ihre Führungsrolle in diesem Bereich noch weiter ausbauen und ein neues FutureLab „Next Level Tourism Austria – NETA“ einrichten und gibt somit der Digitalisierung im Tourismus ein Basislager, wo tourismusrelevante technologische und gesellschaftliche Entwicklungen erkannt, aufbereitet und implementiert werden sollen.

 

Landschaft

 

Laut Pressemitteilung soll der Masterplan durch einen jährlichen Aktionsplan ergänzt werden. Kann man sich hier als Hotelier noch einbringen?

Für eine erfolgreiche Umsetzung des Plan T wird es das gemeinsame Engagement aller im Tourismus brauchen. Der Plan T soll die Grundlage für die Tourismuspolitik der österreichischen Bundesregierung in den nächsten Jahren sein. Mit jährlichen „Österreichischen Tourismustagen“ schaffen wir zusätzlich ein neues Branchenforum für touristische Verkaufsförderung, Wissensvermittlung und Diskussion. Wenn wir den nächsten Aktionsplan zum Plan T auflegen, werden wir also schon ein paar Schritte weiter sein und so halten wir den Masterplan für den österreichischen Tourismus lebendig.

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Kategorie: Branchentipps, Magazin

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