Zwei in einem „Gastro“-Boot
Die zwei Bergheidengasse-Absolventen Ferdinand und Rudolph Querfeld profitieren von der profunden Ausbildung im Bereich Hotel- und Gastronomiemanagement. Als Profi-Ruderer erzählen sie, wie man Schule, Arbeit, Sport und jede Menge Essen unter einen Hut bringt.

© Ricardo Corleone
Wann war für euch klar, dass ihr eine Ausbildung im Bereich der Gastronomie machen wollt?
Ferdinand: Für mich war es relativ früh klar, dass ich später mit der Gastronomie zu tun haben möchte. Ich bin mit der Gastro und den Kaffeehäusern meiner Familie groß geworden. Trotzdem gab es bei uns zuhause nie den großen Druck, in die Fußstapfen unserer Eltern steigen zu müssen.
Rudolph: Wenn ich mich so zurückerinnere, dann habe ich von klein auf mitbekommen, wie viel Freude es macht, Gastgeber zu sein. Bei uns zuhause war es immer üblich, dass mein Vater groß aufkocht und meine Mama die besten Tropfen ausschenkt, wenn Freunde zu Besuch sind. Als Kind habe ich dann gerne ein Geschirrtuch um meinen Arm gewickelt und Kellner gespielt. Also war für mich damals klar, dass ich in diese Richtung auch eine Ausbildung machen möchte.
Warum habt ihr euch für die Bergheidengasse entschieden?
F: Die Bergheidengasse war für mich die logische Entscheidung, da das Haus unserer Eltern nur wenige Minuten entfernt ist. Mir hat außerdem der grüne Schulgarten sehr imponiert und da Hotel- und Gastronomiemanagement für mich sehr praxisnah klang, habe ich damals für diesen Zweig gewählt.
R: Da Ferdi schon in der Bergheidengasse war, hatte ich einen guten Einblick in den Schulalltag. Daher fiel mir die Schulwahl nicht sonderlich schwer. Für den Zweig Hotel- und Gastronomiemanagement habe ich mich entschieden, weil ich neben der Gastronomie auch eine große Faszination für die Hotellerie habe. Auch wenn ich dahingehend noch keine Berufserfahrung habe, bin ich ein sehr aufmerksamer Hotelgast.
Welche Besonderheiten sind von der HTLW13 hervorzuheben?
R: Die HLTW13 bereitet gut auf das spätere Berufs-, aber auch Sozialleben vor. Einerseits lernt man zahlreiche wirtschaftliche Fächer, die mir mein Studium um einiges erleichtert haben, und andererseits habe ich durch die Kochausbildung gelernt, mich selbst zu versorgen. Als Leistungssportler habe ich das Glück (oder Pech), dass ich täglich an die 5.000 kcal aufnehmen muss. Da hilft es auch sehr, dass ich durch meine Ausbildung mehr als nur fünf Gerichte zubereiten kann.
Was waren eure persönlichen Highlights?
R: Wenn ich mich an die Zeit in der Bergheidengasse zurückerinnere, dann denke ich an die lustigen Momente mit meinen Schulfreunden. Das gemeinsame Lernen und Bestehen der Fachprüfung war für uns damals ein wichtiger Meilenstein in unserer Schullaufbahn.
F: Ich denke an die Lehrer, die mich gefördert, gefordert und dabei unterstützt haben, meine schulischen und sportlichen Ambitionen unter einen Hut zu bekommen.
Was war rückblickend bei der schulischen Ausbildung besonders hilfreich für den jetzigen Berufsalltag?
F: Vor allem jetzt als Restaurantleiter im Bootshaus helfen mir meine betriebswirtschaftlichen Kenntnisse und praktischen Erfahrungen sehr. Ich kann Bilanzen lesen, gleichzeitig Schlitten tragen und servieren und wenn es hart auf hart kommt, sieht man mich auch in der Küche. Dieser Mix an Fähigkeiten kommt mir jetzt gerade zu Hilfe.
R: Ich habe vor allem Zeitmanagement gelernt. Da ich damals schon Leistungssport gemacht habe und jetzt noch immer im Leistungssport bin, ist das einer der wichtigsten Eigenschaften, um meinen jetzigen Berufsalltag zu meistern.
Wie konntet ihr als Ruder-Profis das Training mit der Schule vereinbaren?
R: Rudern ist eine Sportart, die viel Training benötigt. Daher war Zeitmanagement sehr wichtig. Ich habe auf jeden Fall gelernt, effizient zu sein. Zum Glück ist uns die Schule bei wichtigen Wettkämpfen entgegengekommen.
F: Es ist ein schwieriger Mix, der sehr viel Disziplin und Motivation benötigt. Für mich war aber von Anfang an klar, dass es keinen Rudersport gibt, wenn es in der Schule nicht passt.
Gibt es Parallelen zwischen der Arbeit in der Gastronomie und dem Rudersport?
F: Ich glaube in beiden Welten bringt einen die richtige Arbeitsmoral sehr weit. Im Rudern wie in der Gastro darf man sich nicht zu schade sein, auch mal die „Dirty Jobs“ zu machen. An Wochenenden und Feiertagen ist in der Gastro wie im Rudersport sowieso nie frei.
Wie wichtig ist sportlicher Ausgleich für die Arbeit im Bereich der Gastronomie?
R: Ich denke sportlicher Ausgleich ist für alle Menschen wichtig. Das heißt nicht, dass man dann gleich dem Leistungssport verfallen muss, aber es hilft, um mit Emotionen und Stress umzugehen, bringt Ausgeglichenheit und hilft abends beim Einschlafen. Leider wird diesem Thema zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt, aber ein gesunder Mensch ist ein fröhlicherer Mensch.
F: In der Gastronomie hat man oft lange Tage und ganz ehrlich, nach einem Wochenende im Bootshaus erlaube ich es mir, mich zu entspannen und die Beine hoch zu legen. Wichtig ist einfach, auf einen gesunden Lifestyle zu achten und dazu gehört meiner Meinung auch Sport, der Spaß macht. Es darf keinesfalls eine Qual sein.
Welches Fitnessprogramm würdet ihr euren Mitarbeitern empfehlen, um gestärkt in den Berufsalltag gehen zu können?
F: Ich versuche das gerade selber herauszufinden. Es war für mich ein starker Kontrast als ich den Profisport aufgegeben habe und in die Gastro gegangen bin. Von 30 Stunden Sport pro Woche zu einer 100 Stunden-Arbeitswoche im Lokal war am Anfang eine große Umstellung für mich. Mittlerweile komme ich drauf, dass eine Stunde Laufen in der Früh ein super Start für den Tag ist. Wenn ich jetzt noch zwei bis drei Mal ins Fitnesscenter gehen könnte, wäre das ideal. Also eine Mischung aus Ausdauer- und Krafttraining ist meiner Meinung nach super, um den Körper auf verschiedene Belastungen im Alltag
vorzubereiten.
R: Da der Arbeitsalltag in der Gastronomie oft sehr anstrengend ist, würde ich eine Sportart empfehlen, die auch wirklich Freude bereitet. Nur so kann man Spaß an der Bewegung haben und es fühlt sich nicht wie ein Zwang an. Bei allem was man tut, ist die Intention sehr wichtig. Ohne zu spirituell werden zu wollen, ist es vor jeder Bewegung ratsam zu wissen, was man damit erreichen möchte. Dann fällt es auch leichter, den Körper und seine Reaktionen zu verstehen.
Welche Ideen braucht es, um wieder mehr Fachkräfte ins Boot der Gastronomie holen zu können?
F: Wertschätzung, Respekt und gelebte Werte sind total wichtig. Wir haben als Familienunternehmen vor einigen Jahren unsere Arbeitgebermarke etabliert und definiert. Wir wollen die erste Familie sein, die man sich aussuchen kann. Für uns ist es wichtig, dass wir als Team ein gutes Arbeitsklima pflegen. Als große Gruppe bieten wir viele Aufstiegsmöglichkeiten in verschiedenen Bereichen und wir freuen uns immer, wenn wir unsere Mitarbeiter mit Fortbildungen unterstützen können.
Wo seht ihr die österreichische Gastronomie in 10 Jahren?
Ferdinand & Rudolph: Die österreichische Gastronomie wird langfristig auf Qualität, Regionalität und Nachhaltigkeit setzten. Wer langfristig bestehen möchte, muss einfach auf diese drei Eckpfeiler setzen. Wenn man dann noch authentisch ist, sein Lokal mit Hingabe pflegt und sich um seine Gäste kümmert, wird man auch Erfolg haben. Es ist immer noch wichtig, ein guter und zugänglicher Gastgeber zu sein.




