Interview mit Mario Pabst – Erfolgsfaktoren Dachsteinkönig

21. März 2018 Mehr

Rund ein Jahr nach der Eröffnung sprachen wir nun mit Mario Pabst, dem Stellvertretenden Hoteldirektor im Leading Family Hotel & Resort ­Dachsteinkönig****s über das touristische Vorzeigeprojekt.

Das Feedback der Presse und auch das der Gäste ist ja durchwegs sehr positiv. Sind Sie auch persönlich mit der Umsetzung zufrieden?
Ja, im Großen und Ganzen sind wir sehr zufrieden mit der Umsetzung. Und auch unsere Gäste kommen gerne wieder. Im täglichen Ablauf haben wir als Betreiber nur einige wenige Punkte, die man vielleicht künftig noch besser machen könnte.

Für den Gast gibt es meines Wissens nichts auszusetzen. Sie würden aber trotzdem heute manches anders planen?Mario-Pabst
Man sagt, dass man ein Privathaus drei Mal bauen muss, bis es perfekt ist. Ein Hotel müsste man demnach vermutlich zehn Mal bauen. So gesehen würde der Dachstein­könig 2.0 vielleicht noch ein bisschen anders aussehen.

Was würden Sie sich denn noch wünschen?
Ich selbst komme aus der Wellnesshotellerie und bin in diesem Bereich natürlich besonders kritisch. So haben wir zum Beispiel bemerkt, dass unsere Gäste im Außenbereich sehr gerne vor dem Betreten der Becken duschen, seit wir die sehr hochwertigen Gartenduschen gebaut haben. Im Innenbereich sind spannende Erlebnisduschen natürlich baulich viel schwieriger umzusetzen. Und Hinweisschilder sind natürlich nicht so attraktiv. Hier müssen wir uns noch etwas überlegen. Fast unmöglich ist es auch, nachträglich noch mehr Toilettenanlagen einzubauen, obwohl verkürzte Wege da und dort noch mehr Komfort für unsere Gäste bringen könnten.

Haben Gäste hier auch schon Wünsche angemeldet?
Nein, eigentlich kommen diese Wünsche gar nicht von Gästeseite sondern von uns. Die eigenen Ansprüche sind ja schon sehr hoch. Immerhin bewegen wir uns in einem Preissegment, in dem „Mittelmaß Zeitverschwendung“ ist, wie auch Herr Florian Mayer von Anfang an betont hat.

Gibt es auch interne Abläufe, die Sie noch verbessern möchten?
Ja, aber auch hier stoßen wir an bauliche Grenzen. Unsere Gäste nehmen zum Beispiel gerne Gläser und Karaffen mit auf ihre Zimmer. Um diese dann wieder sauber zu spülen, müssen unsere Mitarbeiter täglich mehrmals mehrere Stockwerke bewältigen, da wir in den einzelnen Etagen keine Spülmaschinen eingeplant haben. Das würde ich bei künftigen Bauprojekten auch berücksichtigen.

Ist denn in nächster Zeit ein Neu- oder Zubau geplant?
Nein. Wir haben hier noch rund 20.000 Quadratmeter mit Baugenehmigung zur Verfügung. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass wir in absehbarer Zukunft noch mehr bespielen können.

Das heißt, die Auslastung ist gut?
Ja, wir sind fast das ganze Jahr über voll ausgebucht.

Also keine Chance für Kurzentschlossene?
Doch. In den Ferien, vor allem dann, wenn Wiener, oberösterreichische und bayrische Schulkinder frei haben, sind wir voll besetzt. Unter der Woche lässt sich sonst aber oft noch kurzfristig etwas machen. Und im Vorjahr haben wir bemerkt, dass zum Beispiel der April und der November mit einer Auslastung von knapp 65 Prozent auch noch etwas Spielraum bieten würden.

 

Dachsteinkoenig Winter

 

Hat sich die Eröffnung des Dachstein­könig auch auf den Tourismus in der Region ausgewirkt?
Ja, ich denke schon. Österreichweit gab es 2017 rund 4,5 Prozent mehr Nächtigungen als im Jahr davor. In Oberösterreich waren es 5,9 Prozent mehr. Diese Differenz entspricht in etwa der Kapazität unseres Hauses. Und auch die touristischen Ziele rund um den Dachsteinkönig freuten sich 2017 über einen Anstieg an Besuchern.

Steht der Dachsteinkönig auch Besuchern offen, die nicht im Haus logieren?
Wir haben kein Day-Spa, wenn Sie das meinen. Das würde nicht zu unserem Angebot passen, auch weil wir mit dem Rund-um-Angebot an Snacks und Zusatzleistungen eine Tagespauschale verrechnen müssten, die weit über dem Durchschnitt liegt. Aber unsere Bar wird sehr gerne auch von Einheimischen und von Gästen anderer Betriebe besucht.

Kommen auch Mitarbeiter aus der Region?
Bei uns kommen von den derzeit 152 Mitarbeitern 104 direkt aus der Region. Für uns ist das sehr wichtig, denn es zeigt auch, dass wir als Arbeitgeber hier in der Region auch etwas zu bieten haben.

Fachkräftemangel kennen Sie also nicht?
Nein. In der Branche klagen viele darüber. Das hat sich die Branche aber auch selbst zuzuschreiben. Immerhin haben Mitarbeiter in Tourismus und Gastgewerbe über viele Generationen wenig Wertschätzung erfahren.

Heute ist das nicht mehr so?
Heute findet allgemein ein Umdenken statt. Wir versuchen hier, aber noch einen Schritt weiter zu gehen, indem wir etwa unsere Mitarbeiter genauso sehr schätzen wie unsere Gäste.

Wie kann man sich das vorstellen?
In der Hotellerie wird üblicherweise sehr viel Geld für Marketing ausgegeben, um eben möglichst viele Gäste zu erreichen. Wir investieren ganz bewusst auch in die Mittarbeiterakquise und in die Mitarbeiterbindung. Unsere Kollegen hier im Haus sollen sich wohl fühlen. Immerhin verbringen Sie hier einen großen Teil ihres Lebens. Also muss die Arbeitszeit auch wertvolle Lebenszeit sein können.

Wie sieht das im Detail aus?
Wichtig sind uns beispielsweise flache ­Hierarchien. Der Hoteldirektor lässt sich also nicht von seinen Kollegen bedienen, sondern packt genauso mit an. Das schafft einen Umgang auf Augenhöhe, der von gegenseitigem Respekt geprägt ist. Außerdem versuchen wir, möglichst flexibel auf die wechselnden Bedürfnisse der Mitarbeiter einzugehen.

Inwieweit?
Zum Beispiel bei den Arbeitszeiten. Hier in Österreich leben wir – verglichen mit Deutschland oder der Schweiz – geradezu in einem gelobten Land des Mitarbeiterschutzes. Es gibt sehr genaue Vorschriften. Das ist natürlich gut so, schränkt aber auch ein, wenn mehr Flexibilität gewünscht wird. Von den neuen Gesetzen erhoffen wir uns etwas mehr Freiraum – nicht nur für den Betrieb, sondern vor allem auch für jeden einzelnen Kollegen.

Flexible Arbeitszeiten – ist das umsetzbar?
Innerhalb gewisser Grenzen natürlich. So können sich die Mitarbeiter zum Beispiel aussuchen, ob sie ihre Dienste lieber mehr blocken und dann länger frei haben möchten, ob sie eher voll- oder teilzeit arbeiten wollen oder ob sie, wenn sie zum Beispiel kurzfristig mehr Geld verdienen möchten, Dienste dazu nehmen. Wir sind dafür offen. Und das wird von den Kollegen auch sehr geschätzt.

Und wie behalten Sie bei so viel Flexibilität den Überblick?
In Österreich sind Zeituhren Vorschrift. Im Tourismus bleibt die Umsetzung aber leider oft Theorie. Wir haben hier einen Handflächen-Scan, so dass alle Dienstzeiten, Überstunden und Zeitausgleiche genau registriert werden können. Mit dem Lohnzettel erhalten die Mitarbeiter auch immer ihre Arbeitszeitenbestätigung und sind so immer auf dem Laufenden. Transparenz und Respekt werden hier ganz selbstverständlich gelebt. Unsere Mitarbeiter fühlen sich wohl. Und das spüren auch unsere Gäste.

Sie definieren den Erfolg eines Betriebs also auch über seine Kompetenz als Arbeitgeber?
Definitiv. Die Hotellerie ist für mich der schönste Arbeitsplatz der Welt. Das gilt es auch den Mitarbeitern zu vermitteln. Meiner Ansicht nach kann ein Betrieb nur so funktionieren.

 

Dachsteinkoenig Winter

 

Vielen Dank für das Gespräch!

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