Do not disturb – Seezeitlodge

8. März 2018 Mehr

Die Kulisse des von dichten Wäldern umrahmten Bostalsees, eingebettet in die Mittelgebirgslandschaft des Naturparks Saar-Hunsrück, schätzten bereits die Kelten vor mehr als 2000 Jahren. Davon zeugt nicht nur der keltische Ringwall, ein Monument von vierzig Metern Dicke und zwölf Metern Höhe, ganz in der Nähe, sondern auch der Kraftplatz am See, den Kathrin und Christian Sersch mit ihrem 2017 fertiggestellten Hotel nun auch für Gäste erlebbar machen. Ziel war es, den Hotelbau so in die Landschaft zu integrieren, dass er gleichsam mit dieser verschmilzt. Denn, so die Gastgeber, wer diese Gegend schätzt, schützt sie auch – frei nach dem Motto: Do not disturb!

 

Seezeitlodge

 

Die Seezeitlodge befindet sich in exponierter Lage auf einem kleinen bewaldeten Kap, bestehend aus zwei Hügeln mit einer Talmulde dazwischen. Diese besondere Topografie wurde von dem Berliner Architekturbüro GRAFT geschickt genutzt. Der mit 129 mal 18 Meter Außenmaß lang gestreckte Bau beherbergt auf zwei Geschossen 84 Zimmer und 14 Suiten, die dank der Ausrichtung des Gebäudes landeinwärts fast alle den freien Blick auf die Wasserfläche – teils in nordöstlicher, teils in südwestlicher Richtung – ermöglichen.
Für Funktionsbereiche wie Lounge, Lobby, Restaurant und Seminarräume wurde die Talmulde im Gelände genutzt, um einerseits den freien Blick auf den See zu gewähren, das Gelände selbst aber möglichst wenig zu verbauen. Von dem dreigeschossigen, teilweise noch unterkellerten Bau sind demnach lediglich das Erdgeschoss und ein einzelnes Stockwerk von außen erfassbar. Punktuell auf dem Flachdach platzierte, weiße Dachaufbauten verschmelzen mit dem weißblauen Himmel. Auch die beiden Zimmergeschosse werden mit der Zeit immer mehr in der Landschaft „verschwinden“. Dies verdanken sie der vorgelagerten Lamellenfassade aus allmählich vergrauendem Lärchenholz, das sich wie selbstverständlich in den dichten Eichenwald rund um das Hotel einfügt.
Für maximale Flexibilität im Ausbau oder bei zukünftigen Umbauten und Umnutzungen ist das Haupttragwerk aus Stahlbeton in Skelettbauweise mit Flachdecken, aussteifenden Kernen, Stützen und Wänden ausgeführt.

Die Kraft der Natur
Der Wellnessbereich mit seinen wasserundurchlässigen Betonbecken umfasst insgesamt 2.700 Quadratmeter, befindet sich landeinwärts und mündet in einem keltischen Siedlungen nachempfundenen Saunadorf rund um eine rituelle Räucher- und Feuerstelle. Gekonnt wird hier die Geborgenheit des Waldes mit der Weite des Sees zu einer kraftspendenden Ruheoase verbunden. Outdoor befinden sich jeweils in einem eigenen Gebäude eine (mit der klassischen Finnsauna vergleichbare) Keltische Sauna, eine Erdsauna, eine Kräutersauna, ein Duschhaus und ein Ruhehaus mit Ausblick auf den See.
Indoor sind ebenfalls eine Panoramasauna mit Seeblick, ein Aroma-Dampfbad und ein Kräuterbad untergebracht, sowie eine eigene Damensauna mit Bio­sauna und Aroma-Dampfbad. Der Ruheraum ist mit Hängesesseln und Relax-Nischen ausgestattet.
In- und Outdoor verbindet ein großzügiger, beheizter Innen- und Außenpool im Infinity-Stil. Ein besonderes Highlight ist hier die Unterwasserbeleuchtung, die das wohltuende Badevergnügen in stimmungsvolles, farbiges Licht taucht.

Licht und Wärme
Licht und Wärme werden aber in der Seezeitlodge nicht nur stimmungsvoll in Szene gesetzt, sondern waren bereits bei der Planung wesentliche Faktoren. So sollte die Natur für den Gast ganzjährig optimal erlebbar sein, ohne dass sie dieser durch seine Nutzung wesentlich beeinträchtigt. Nachhaltigen Schutz der Natur und ihrer Ressourcen versprechen daher einige vorweg eingeplante Maßnahmen – wie ein eigenes Blockheizkraftwerk zur Gewinnung elektrischer Energie und Wärme und die Betonkerntemperierung als innovative Methode zum Kühlen und Erwärmen des Gebäudes.
Auch die topografische Ausrichtung des Bauwerks ist nicht nur dem möglichst uneingeschränkten Blick auf den See geschuldet. Alle Glasflächen sowie die vorgelagerte Lamellenfassade wurden so positioniert, dass Tageslicht optimal genutzt und künstliche Beleuchtung weitgehendst verringert werden konnte.
Während sich das Hotel zur Landfläche hin eher verschlossen zeigt, öffnet es sich zum See durch große Fensterfronten. Eigens gefertigte Sonnenschutzgläser mit ausgezeichnetem Wärmedämmwert und gleichzeitig hoher Lichttransmission sorgen für ein angenehmes Raumklima und einen uneingeschränkten, farbneutralen Ausblick. Mit Hilfe von thermischen, Strömungs- und Tageslichtsimulationen konnten auch die in die vorgehängte Lamellenstruktur eingefügten Balkone der Hotelzimmer in Bezug auf Sonnenschutz, Tageslicht und Sichtbeziehung passgenau gestaltet werden. Als Trennwände zwischen den einzelnen Balkonen fungieren eigens für den Außenbereich gefertigte Spiegel, die geschickt mit Aus- und Einblicken spielen.

Von den Kelten inspiriert
Tageslicht im Jahreswechsel war bereits bei den Kelten Thema. Das Hotel lässt deshalb Feste wie Sonnenwendfeiern, Mondfeste oder die Walpurgisnacht wieder aufleben. Als besonderes Highlight berechneten die Architekten die Blickachsen der Sonnenuntergänge der Tag- und Nachtgleiche sowie der Sommer- und Wintersonnenwende und nahmen diese in ihr Konzept auf.
Birgit Nicolay, von dem in Stuttgart und New York ansässigen Büro NICOLAY DESIGN macht diese Blickachsen quer durch Lobby, Restaurant und Bar mittels eines glänzenden Messingbands im Boden auch für den Gast erfassbar. In den Boden eingelassene Glasvitrinen zeigen die keltischen Symbole und Namen der jeweiligen Himmelsachsen.
Lebensbaum, Spirale und Dreiecksknoten verweisen in allen Bereichen der Anlage auf die keltische Kultur. Weiters prägt die umgebende Natur das Interieur. Natürliche Materialien, Farben in Sand-, Weiß- und Brauntönen, gewebte Baumwollstoffe, geöltes Parkett, geflochtene und gestrickte Lampen und heimisches Holz spielen im gesamten Haus eine wichtige Rolle. Ein Himmelbett, eine Walddusche oder eine Hängematte auf dem Balkon setzen spielerisch romantische Akzente. Das Interieur ist teils verspielt, teils erfrischend anders, dabei gleichzeitig aber wohltuend unaufgeregt und von einem selbstverständlichen Chic.
Sechs Jahre dauerte der Entwicklungsprozess – von der Idee bis zur Eröffnung. Für die gelernte Hotelfachfrau und Medien-Ökonomin Kathrin Sersch und den studierten Betriebswirt Christian Sersch stand dabei stets die Bewahrung des Kraftortes und seine „echte“ Schönheit im Fokus.

 

 

Hotel & Spa Seezeitlodge

Adresse: Am Bostalsee 1, 66625 Gonnesweiler, Deutschland, www.seezeitlodge.de
Bauherr / Investoren: HotelKultur GmbH & Co. KG, Gottfried und Anette Hares
Betreibergesellschaft: Seezeitlodge Hotel GmbH
GF & Direktion: Kathrin Sersch (geb. Hares) und Christian Sersch

Planung: GRAFT – Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin, Innenarchitektur: Nicolay Design GmbH, Stuttgart

Grundstücksfläche: 70.700 m² / 7 ha
Nutzfläche: 7.280 m²
Baubeginn: Juni 2014
Eröffnung: 4. September 2017

Unterwasserbeleuchtung: Ospa

 

Fotos:©Seezeitlodge Hotel & Spa / Günter Standl

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Kategorie: Projekte