Design kommuniziert – Restaurant Design

22. November 2018 Mehr

Dass man „nicht nicht kommunizieren“ kann, wissen wir spätestens seit Paul Watzlawick. Ganz gleich, was wir tun oder nicht tun, wird von unserem Umfeld als Botschaft gelesen. Keine Überraschung also, dass auch unser Umfeld mit uns zu kommunizieren scheint. Besonders dann, wenn es ein bewusst gestaltetes Umfeld ist, eines, das bestimmte Emotionen auslösen beziehungsweise Atmosphäre schaffen will.

Auch Restaurant, Bar und Kaffeehaus wollen – ob nun einzeln, als Kette oder in ein Hotel integriert – eine bestimmte, zumeist recht weit gefasste, Zielgruppe „ansprechen“ und orientieren sich dabei heute mehr denn je an bestimmten Werten, Ideen und Konzepten, die auch deutlich lesbar in das Interieur-Design einfließen.
So kommuniziert etwa eine bekannte Kaffeehauskette nachhaltige Werte, eine angesagte Bäckereifiliale puren Geschmack und eine junge Hotelkette ungezwungene Geselligkeit. Aber auch Wohnlichkeit und Luxus, wie in Sidney und in Neuchâtel, oder die Herausforderung von Standort und Stimmung, wie in London oder Moskau unlängst realisiert, können als Anforderungen an eine lesbare Designsprache verstanden werden.
Jeder dieser Restaurant- und Barbereiche schließt mit seiner Gestaltung deutlich an ein Gesamtkonzept an und macht dieses somit für den Gast „auf den ersten Blick“ erlebbar.

 

Come as you are
Die 25hours Hotel Company ist eine junge deutsche Hotelmarke mit dem Claim „Come as you are“. Dementsprechend entspannt gestalten sich auch die Restaurantbereiche der jeweiligen Häuser.
In der „heimat“ im neuen Stadtteil der Hamburger Hafencity, zwischen Altstadt und Hafen, schuf Interior Designerin Conni Kotte ein gemütlich-erdiges Weinkeller-Ambiente, attraktiv für Hotelgäste und Nachbarn, für alt-eingesessene Hamburger und auch für Neu-Ankommende. Am Küchenfenster sind fünf besonders begehrte Sitzplätze untergebracht, denn hier werden den Gästen vom Küchenteam immer wieder Kleinigkeiten zum Probieren durchgereicht.

1500 Foodmakers / Fotos:©Stephan Lemke

 

Im Wiener „1500 Foodmakers“, nahe des hippen Kultur-Hotspots MuseumsQuartier, wird – inspiriert von Italien bis New York und vor allem dem berühmten „Pizza East“ in London – vor allem Pizza serviert. Dazu gibt es Salate, gute Pasta und Dolci und im neuen Outdoor-Kiosk „Burger de Ville“ auch eine hochwertige Variation des begehrten Fastfoods. Das flexible Raumkonzept bietet dazu für jeden Bedarf unterschiedliche Bereiche, arbeitet mit verschiedenen Höhen, kleinen Nischen und großen Tafeln. Zentraler Sitzbereich ist die markante Essbar in der Mitte, damit jeder „seinen“ Platz findet. „Wir wollten kein klassisches Hotel-Restaurant anbieten, sondern ein für Hotelgäste wie auch für Wiener interessantes Konzept“, erklärt auch Roland Eggenhofer, Senior Sales & Marketing Manager at 25hours Hotel Vienna. Direktor Christian Kölling bestätigt: „Wir möchten eine Heimat für den siebten Bezirk sein“, und schließt so den konzeptionellen Bogen auch zur Hamburger „heimat“ und zu den Restaurants der 25hours Hotels an sich.

25hours Hotel / Fotos:©Stephan Lemke

 

Design für Werte
In goldenen Lettern steht deutlich lesbar an der Wand des neuen Starbucks Coffee Houses in der Wiener Neubaugasse: „99 Prozent unseres Kaffees stammen aus nachhaltigem Anbau und fairem Handel.“ Die Starbucks Coffee Company hat sich diesen Werten verschrieben und kommuniziert sie auch in seinem Restaurantdesign. Hochwertig, gediegen und mit den klassischen, jedoch modern ausgeführten Elementen gelebter Kaffeehaustradition ausgestattet, zeigt sich das Ambiente in warmen, erdigen Farbtönen, dunklem Holz und sattem Petrol. Gerahmte Schwarz/Weiß Grafiken thematisieren die Herkunft der edlen Bohne. Mit gutem Gewissen genießen kann man übrigens auch, wenn man seinen eigenen Tumbler mitbringt. Dies ist bei Starbucks nicht nur geduldet, sondern wird sogar per Preisnachlass honoriert.

Fotos:©Starbucks Österreich/Felix Hohagen

 

Blaue Galaxie
Monochrom in azurfarbenem Blau wirkt die Galaxy Bar in Moskau geradezu meditativ inspirierend – wie von einer anderen Welt – auf die Besucher. Dazu zitiert eine abstrakte Lichtinstallation die Kunstrichtung des russischen Suprematismus. Der 75 Quadratmeter große Raum erscheint in dem diffusen Licht nahezu grenzenlos, wie der Kosmos selbst. Damit hat Architekt Maxim Kashin von Monoloko Design die Location der Zagovor Brauerei mit einem Budget von lediglich 50.000 Euro ganz entsprechend der Namensgebung in Szene gesetzt und ihr zugleich eine markante Identität verliehen.

Fotos:©Dmitry Chebanenkov

 

Industrielle Eleganz
Dass Industrial Design auch durchaus elegant und filigran wirken kann, beweist das neue Restaurant „Zur Gießerei“ im Best Western Plus Parkhotel Velbert. Bezugnehmend auf die historische Schmiede- und Schlosserstadt Velbert befindet sich dieses in einer alten Fabrikationshalle. Stahl- und Holzkonstruktionen im Industriestil, Deko-Elemente wie Amboss und Gießereipfanne und historische Arbeiterfotos, dominieren den Look. Dazu kommuniziert die moderne Einrichtung aus Altholz und Flachstahl einen edlen Vintage-Stil.

Fotos:©Best Western

 

Skandinavischer Wohnmix

Im kürzlich renovierten Mona Vale Hotel an der Nordküste von Sydney befindet sich das 200 Plätze fassende Restaurant The Park House Food Merchants mit Fine Dining, mit überdachtem Innenhof und diversen Private Dining Rooms sowie einer offenen Show-Küche, einer integrierten Cocktail Bar und einer zusätzlichen Hauptbar sowie großen innen- und außenliegenden Lounges inklusive offenem Kamin. Raue Ziegelwände, ein skandinavisch inspirierter Einrichtungsstil und unterschiedliches, locker mit einander kombiniertes Mobiliar verleihen der Fläche eine ungezwungene Wohnzimmeratmosphäre.

Fotos:©Felix Forest

 

Pur in Geschmack und Design

Josef Weghaupt stellt seine begehrten, ursprünglichen Brot-Kreationen hauptsächlich aus Getreide, Wasser und Salz her. Pure Zutaten, purer Geschmack. Ebenso pur, reduziert auf das Wesentliche, zeigt sich auch das Interior Design der hoch frequentierten Innenstadtlage am Albertinaplatz. Diese punktet als Bistro, Bäckerei und Nahversorger mit Bio-Aufstrichen und Bio-Müslis, Fleischspezialitäten und mehr. Die neue Filiale schafft mit der Nutzung vorhandener Raumelemente, der Einbeziehung des großzügigen Schanigartens und einer zweiten, intimeren Ebene im oberen Stockwerk, aber auch neue Erlebniszonen, die sowohl dem Standort als auch seiner dem Charme der 1950er Jahre verschriebenen Architektur geschuldet sind.

Fotos:©Joseph Brot

 

zwischen … und …
Als abstrakte Skulptur im Industrial Design präsentiert sich der neue Portsoken Pavilion inmitten der City of London. Der Standort ist umrahmt von verglasten Bürokomplexen ebenso wie von den ehrwürdigen Bauwerken der Sir John Cass’s Foundation Primary School und der St Botolph without Aldgate Kirche. Auf diesem Platz befindet sich nun ein von einem asymmetrischen, bewusst korrodierten Blech überdachtes Café mit multifunktionalem Kommunikationsbereich. Die raumhohe Verglasung referiert an die moderne Glasarchitektur. Das Blechdach mit seiner verwitterten Anmutung nimmt wiederum Bezug auf den historischen Bestandsbau. Make Architects schufen ein Hybrid zwischen Alt und Neu, zwischen Kiosk und Relaxspace, zwischen eiliger Mittagsjause und entspanntem Pausieren.

Fotos:©Martina Ferreera / Make Architects

 

So muss Luxus sein
In Neuchâtel, direkt am See, liegt das Best Western Premier Hotel Beaulac. Das Vier-Sterne-Hotel bietet neben 116 Zimmern und modernen Konferenz- und Veranstaltungsräumen auch Restaurant, Sushi-Bar und Lounge sowie seit Juni 2018 auch die Panorama-Lounge-Bar Waves auf dem Rooftop des Hauses. 16 Monate Bauzeit und rund neun Millionen Schweizer Franken sind in die Umsetzung geflossen. Kommuniziert wird Luxus pur – mit einer Fläche von 900 Quadratmetern, atemberaubender Aussicht und spektakulärer Architektur, die auch den Namen prägt, denn mit dem Dachaufbau nimmt Architekt Pierre Studer deutlich auf die Wellen des Sees Bezug. Etwa zwei Drittel der Fläche sind als Dachterrasse ähnlich eines Yachtclubs oder eines Luxus-Kreuzfahrtschiffs inszeniert. Rund 260 Quadratmeter sind überdacht und von einer Vollverglasung umrahmt, von der mehr als die Hälfte elektrochrom beschichtet ist und sich entsprechend der Sonnenintensität abdunkeln lässt. Luxus soll schließlich nicht nur sicht- sondern auch spürbar sein.

Fotos:©Best Western

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Kategorie: Projekte