Bewegt, bewährt, neu erdacht – Felsentherme

16. April 2018 Mehr

Heuer feiert die älteste Therme Österreichs, die Felsentherme Bad Gastein, ihr 50-Jahre-Jubiläum. 1968 als „Felsenbad“ eröffnet, hat die Location eine bewegte jüngere Vergangenheit hinter sich: 2012 wurden Felsentherme und Thermalkurhaus von der Gemeinde Bad Gastein übernommen und so vor dem finanziellen Ruin gerettet. Die neuen Eigentümer (95% Gemeinde und 5% Kulturfonds Bad Gastein) sahen sich mit einem erheblichen Investitions- und Restrukturierungsbedarf konfrontiert und investierten seitdem rund drei Millionen Euro in den regionalen Leitbetrieb. So wurde in verschiedenen Etappen der Bestand gesichert und der ehemalige Konkurskandidat wieder auf eine solide Basis gestellt.

 

Felsentherme Bad Gastein

 

Im bisher letzten Schritt widmete man sich dem Energieverbrauch der Therme und dem enormen Wasserverlust von rund 200 Kubikmeter Wasser täglich im Sportbecken im Außenbereich. Wasser gibt es hier zwar reichlich – die Therme wird mit feinstem Gasteiner Thermalwasser aus 18 Bergquellen versorgt – diese Mengen an teuer aufbereitetem Wasser zu verlieren stellte jedoch einen erheblichen Kostenfaktor dar.
Mit dem Sanierungskonzept beauftragten die Eigentümer die Firma Siemens Building Technologies, die bereits 2012 ein Grobkonzept für die energetische Sanierung erstellt hatte. Siemens hat sich in diesem Unternehmensbereich auf die Bedürfnisse der Hotelbranche spezialisiert und setzt sich insbesondere mit den Installations-, Betriebs- und Wartungskosten während des gesamten Gebäudelebenszyklus auseinander – speziell für Thermenhotels, welche gerade im Bereich der Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik besondere Anforderungen stellen.
2016 wandten sich die Verantwortlichen der Felsentherme abermals an den Technologiekonzern, der nach der Erstellung einer neuen Vorstudie über die erforderlichen Maßnahmen und Einsparungspotenziale mit der Detailplanung und 2017 mit der Umsetzung als Generalunternehmen beauftragt wurde.
1,54 Mio. Euro wurden so gemäß der Projektausarbeitung in die Erneuerung der Südfassade, in ein neues Edelstahlbecken für den Außenbereich, die Optimierung der Beleuchtung und die Überarbeitung bzw. Erneuerung der kompletten Haus- und Schwimmbadtechnik sowie der Mess-, Steuer- und Regelungstechnik investiert. Realisiert wurde dieses Projekt – umgesetzt bei laufendem Betrieb – zu 80 Prozent von Unternehmen aus der Region und unter Einbezug von spezialisierten Betrieben, etwa für die dreifach verglaste Fassade oder das Edelstahlbecken. Das technische Herzstück dieser Etappe bildet aber das Gebäudemanagementsystem, das die Regelung und Steuerung des gesamten Gebäudes, von Brandschutz über Video bis hin zu Heizung, Lüftung und Badtechnik auf einer einzigen Plattform vereint.
Finanziert durch die Einsparungen
Einen besonders interessanten Aspekt dieses Projektes stellt das Finanzierungsmodell dar: Die Kosten dafür werden über die von Siemens vertraglich garantierten Energieeinsparungen finanziert. Die jährlichen Energiekosten der Felsentherme haben nach Angaben von Johannes Sturm, Projektverantwortlicher bei Siemens Building Technologies, 405.000 Euro betragen. Davon garantiert Siemens durch die nun gesetzten Maßnahmen vertragliche Einsparungen von 154.000 Euro pro Jahr. Berücksicht man nun noch die Fördergelder der öffentlichen Hand, die in das Projekt fließen, rechnen sich die Investitionen bereits nach elf Jahren.
Beachtliche 38 Prozent Einsparungen garantiert Siemens demnach vertraglich den Betreibern der Felsentherme und unterstützt beim täglichen Betrieb der Anlage natürlich auch über die gesamte Vertragslaufzeit. Alle Funktionen, Werte und Einstellungen werden dabei über das Gebäudemanagementsystem überwacht und gegebenenfalls nachjustiert. Das Monitoring sowie laufende Optimierungstätigkeiten sind für Johannes Sturm wesentliche Beiträge, um einerseits die Einsparungsziele über einen längeren Zeitraum zu halten und andererseits den Thermengästen ein perfektes Wohlfühlambiente bieten zu können. Die Herausforderung dabei sind jährlich 150.000 Besucher, sechs unterschiedliche Thermenbereiche, eine Wasserfläche von etwa 1.000 Quadratmeter und Beckentemperaturen von 24 bis 34°C, die es in allen Belangen zu managen gilt.
Nun könnte man meinen, dass die Geschichte der Felsentherme und aufgestaute Investitionen die Basis für Einsparungen in diesen Größenordnungen bilden. Für den Experten Sturm ist dieses Projekt aber aufgrund seiner langjährigen Erfahrungen kein Einzelfall. Er sieht bei einer Vielzahl von Thermen und Hotels Einsparungspotenziale in ähnlichen Dimensionen.
In Bad Gastein hat jedenfalls ein neues Zeitalter begonnen und die Felsentherme erstrahlt nun energetisch optimiert auch in neuem Glanz. Ein wichtiger Leitbetrieb der Region, in der sich neben Ski- und Radfahren auch wieder wunderbar entspannen lässt, hat sich neu erfunden und sichert so rund 30 Arbeitsplätze.

 

 

www.felsentherme.com

Fotos:©Max Steinbauer

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Kategorie: Projekte