Bierhalle mit Flair – Donaubräu

21. August 2019 Mehr

Donaubräu

Mit seinen 252 Metern Höhe ist der Donauturm das höchste Bauwerk Österreichs. Er ist Wahrzeichen und Denkmal seiner Entstehungszeit, Aussichtsplattform und beliebtes Ausflugsziel – und seit Februar 2019 flankiert von Bierlokal und Café.

 

Zentraler Eyecatcher ist die Bar. Hier schimmert eine Wand hinterleuchteter grüner Flaschen durch wellenförmig gebogene Kupfer-Holzelemente. Das außergewöhnliche Design wirkt unerwartet intim. Dabei passt es stimmig zu den stilvoll gedeckten Tischen und den Bänken und Sesseln im originellen 60er-Jahre-Stil. Foto:©Christian Lendl

 

So wie der Eiffelturm untrennbar mit seiner Eröffnung zur Weltausstellung 1889 in Paris verbunden ist, so ist es der Donauturm mit der Wiener Internationalen Gartenschau (WIG) 1964. Seit damals ist das gesamte Gelände rund um den Turm als Ausflugsziel und Naherholungsgebiet bei Touristen und Wienern gleichermaßen beliebt. Und, auch wer sich nicht jedes Mal die Fahrt zu Turmrestaurant und Aussichtsplattform leisten möchte, verbindet den Ausflug gerne mit einer Jause oder einem Mittagessen. Grund genug für die neuen Eigentümer, seit 2016 nicht nur den Turm und sein gastronomisches Angebot in den obersten Etagen neu auszurichten, sondern auch zu ebener Erde ein attraktives Lokal inklusive Gastgarten aufzubauen.
Für die Gestaltung der insgesamt vier kulinarischen Angebote – Turmcafé und Turmrestaurant auf 160 und 170 Metern Höhe und Donaubräu und Donaucafé in einem dazu eigens errichteten Pavillon – zeichnet Architekt Gregor Eichinger verantwortlich. Formal und ästhetisch orientiert er sich dabei bewusst an der unter Prof. Hannes Lintl 1962 bis 1964 errichteten Architektur und der für diese Zeit typischen Designsprache. Gleichzeitig schafft er ein offen wirkendes Konzept, das auch die jährlich rund 420.000 in- und ausländischen Besucher dazu einlädt, sich spontan wohlzufühlen.

 

Foto:©Christian Lendl

 

Alle Umbau- und Renovierungsarbeiten in dem seit 2001 unter Denkmalschutz stehenden Turm erfolgten in enger Abstimmung mit dem Bundesdenkmal­amt. Den Gästen bietet sich hier ein authentisches und zugleich zeitgemäßes Interieur im Stil der Sixties. Zusätzlich erweitern zahlreiche Infoscreens das Besuchserlebnis auf digitaler Ebene – von Einblicken in Historie und Architektur im Eingangsbereich bis hin zu ergänzenden Wienansichten inklusive wissenswerter Informationen im Bereich der Aussichtsplattformen. Und auch die Gastronomie setzt mit stationären und mobilen Order- und Kassengeräten auf digitale Unterstützung, damit das hauseigene Turmbier frisch gezapft zum Gast kommt. Auch dann, wenn das Lokal mit 150 Plätzen indoor und weiteren 430 im Gastgarten voll ausgelastet ist.

 

bodennah und luftig – Interview mit Architekt Gregor Eichinger

Den Charme der 1960er Jahre mit den Annehmlichkeiten und dem Esprit von heute zu verbinden, galt es auch bei Architektur und Design des neuen Pavillons. Hier paart sich erdige Bodenständigkeit mit moderner Leichtigkeit. Das Interieur in edlen, dunkleren Holztönen vermittelt viel Gemütlichkeit. Mit seinen hohen Wänden und den farbenprächtigen, hinterleuchteten Gemälden des italienisch-amerikanischen Künstlers Nicola Verlato an der Decke wirkt der Raum zugleich luftig und leicht. Wir sprachen mit Architekt Gregor Eichinger über Architektur, Design und Ausstattung der Gastronomie im Pavillon.

 

Architekt Gregor Eichinger, Foto:©Elfie Semotan

 

Der Donauturm ist vor allem aufgrund seiner Höhe und der Fernsicht ein beliebtes Ausflugsziel. Was steht hinter der Idee, ein Restaurant auf Boden­ebene in diesen Kontext einzubinden?
Auch der Donaupark war Teil der WIG 1964. Es ist daher naheliegend, den Park auch bei der Neugestaltung des Projekts miteinzubeziehen, zumal die räumlichen Gegebenheiten in Turmcafe und Turmrestaurant sehr beschränkt sind. Gleichzeitig konnte so auch der historische Eingangspavillon entlastet werden.

Inwieweit?
Der Eingangsbereich wurde vom Shop befreit und dient heute ausschließlich als Ticketschalter und Foyer. Dadurch konnte auch der Weg zu den Liften verbreitert werden. Um hier die Wartezeit zu verkürzen wurde ein ansprechendes Infotainment implementiert. Für Souvenirs wurde ein eigener Shopbereich im neuen Pavillon eingerichtet.

Wie fügt sich der neue Baukörper formal in das bestehende Ensemble ein?
Der neue Pavillon nimmt die Formensprache des bestehenden Pavillons der Eingangshalle auf. Lagemäßig tritt er gegenüber dem Eingangspavillon zurück, höhenmäßig überragt er ihn. Der Gastgarten liegt an der Promenade zum Donaupark.

Was war Ihnen bei der Gestaltung besonders wichtig?
Wichtig sind uns in unserer Gestaltung stets der Kontext zum Ort, dessen Nutzung, Bedeutung und Codierung. Das Designkonzept des Donauturms und auch des neuen Pavillons ist als zeitgemäße Neuinterpretation der Architektur der 1960er Jahre entstanden.

Nach welchen Kriterien wurden die einzelnen Funktionsbereiche angelegt und formal miteinander verbunden?
Im Pavillon befinden sich außer dem Donaubräu auch ein Shop und ein Café. Die Raumaufteilung folgt einem Funktionslayout, das mit den Bauherren erarbeitet wurde. Die Gestaltung von Donaucafé und Donaubräu wurde von uns erstellt. Für den Shop haben sich die Ladenbauer an unserem Farb- und Materialkonzept orientiert.

Wie sieht dieses im Detail aus?
Im Donaucafé finden Sie eine Möblierung in dunklem Nussholz auf einem Fischgrät-Eichenboden und im Bierlokal Möbel in Buche gebeizt und einen Industrieboden auf Zementbasis. Für die Decken- und Wandgestaltung kamen Holzakustikpaneele und bedruckte Tapisserien in Trevira CS zum Einsatz.

 

Foto:©Eva Kees

 

Welche Funktionen waren in Hinblick auf das Raumklima zu bedenken?
Aufgrund der windexponierten Lage haben wir uns für einen innenliegenden, textilen Sonnenschutz entschieden, der unabhängig von der Witterung benützt werden kann. Gleichzeitig trägt dieser gemeinsam mit den modellierten Holzakustikpaneelen zu einer besseren Raumakustik bei.

Worauf legten Sie bei der Deckengestaltung außerdem Wert?
Wir versuchen, in all unseren Projekten zeitgenössische Kunst einzubinden. Die hinterleuchteten Bilder von Nicola Verlato erinnern an fliegende Engel, wie sie bei der Deckengestaltung barocker Bierhallen üblich waren und passen daher perfekt in das neue Donaubräu.

Welche Leuchtkörper kamen zum Einsatz?
Vier große Luster wurden als Rahmen unter den Bildern ausgeführt. Sie geben Licht an die Decke ab, setzen die Werke zusätzlich in Szene und sorgen zugleich für eine angenehme Allgemeinbeleuchtung.
Das Barhinterland mit den dreidimensional verformten Kupferlamellen, den Flaschen und Spiegeln verstehen wir außerdem als einen einzigen großen vertikalen Luster, auf den man zugeht, sobald man den Pavillon betritt. Zusätzlich finden Sie zylindrische Pendelleuchten über dem Bartresen und über den Tischen – sozusagen als gemeinsame Klammer.

Was ist für Sie die Essenz bei der Planung von (Gast-)räumen?
Architektur soll mit allen Sinnen berühren. Es geht daher immer um das Zusammenspiel von Oberflächen, Haptik, Akustik und Licht.

 

Foto:©Christian Lendl

 

Donaubräu im Donauturm

Adresse: Donauturmstraße / Mispelweg 8 A 1220 Wien, www.donauturm.at
Bauherr: Donauturm GmbH

Gestaltung: Architekt Gregor Eichinger
Kassensysteme: TiPOS
Schanksystem: Redl

Dimensionen l/b/h: 16 m / 37 m / 7 m
Soft Opening: 13. Februar 2019
Gesamtinvestition Donauturm 2018/2019: rd. 10 Mio Euro

 

Text:©Heidrun Schwinger

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Kategorie: Projekte

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