Grätzlhotels Wien

7. März 2016 Mehr

Wiener auf Zeit. Der internationale Markt ist von traditionellen Beherbergungsformen gesättigt, stellt die URBANAUTS Hospitality Group fest und bietet daher neue Reiseerfahrungen für Highly individualised people (H.I.P.). Die Suiten der grätzlhotels befinden sich in ehemals leerstehenden Räumlichkeiten der Wiener Sockelzone. Als professionelle Antwort auf den Airbnb-Trend erlauben sie einen maßgeschneiderten Wienaufenthalt, so individuell wie in einer Privatwohnung, aber umsorgt wie in einem Hotel.

Graetzelhotels_Wien_

Derzeit umfasst das fragmentierte Hotel 18 Suiten, sieben am Karmelitermarkt im pulsierenden 2. Bezirk, fünf in unmittelbarer Nähe des Schloss Belvedere und sechs am traditionsreichen Meidlinger Markt nahe dem Schloss Schönbrunn. Das jeweilige „Grätzl“ – ostösterreichisch für den Teil eines Stadtviertels – mit all seinen Restaurants, Cafés und kleinen Geschäften fungiert dabei als riesige Hotellobby, die Gäste zu Wienern auf Zeit werden lässt. Ansprechpartner vor Ort sind Partnerbetriebe wie das „Milchbart“ am Meidlinger Markt, das benachbarte Büro der URBANAUTS Hospitality Group für das grätzlhotel belvedere oder ein hauseigenes Café „zur rezeption“ am Karmelitermarkt. Hier bekommen Gäste, alternativ zum rund um die Uhr zugänglichen Schlüsselsafe, auch die Hotelschlüssel, Infos zu Freizeit- und Kulturangeboten und ganz persönliche Tipps für spezielle „places to be“ abseits der Touristenpfade. Gerne werden auch ein Picknickkorb voller marktfrischer Köstlichkeiten, das Leihrad für die nächste Grätzltour oder eine Massage in der eigenen Suite organisiert. Extrawünsche willkommen.

Die Suiten selbst sind ganz unterschiedlich gestaltet, je nach der räumlichen Ausgangssituation, als „ suite“ ab 140 Euro die Nacht oder als etwas kleinere „junior suite“ ab 120 Euro buchbar, wahlweise direkt mit Blick auf Geschäftsstraße oder Marktplatz oder als „garden suite“ mit Terrasse oder Gartenzugang zum Innenhof. Obwohl Gäste in den ehemaligen Geschäftslokalen auf Straßenebene, vor allem in den Räumlichkeiten der „street suites“, unmittelbar am Stadtleben teilnehmen, sind die einzelnen Wohnungen so gestaltet, dass zugleich ein wohliger, wohnlicher und geschützter Rückzugsort entsteht. Die Namen und viele kleine Details erinnern an die frühere Nutzung der Räume. So heißen die neuen Suiten im Erdgeschoß eines gerade renovierten Eckhauses am Meidlinger Markt beispielsweise „Rosenverkäufer“ (mit üppiger Rosentapete am Plafond des Schafzimmers) oder „Plattenhändlerin“ (natürlich mit Plattenspieler und einer kleinen Auswahl aus dem ehemaligen Sortiment). Boxspringbett und Regendusche gehören hier ebenso zu den Annehmlichkeiten, wie die kleine Kitchenette und der große Wohn- und Speisebereich, der sich, dank optischer Trennung vom Schlafbereich stets auch für die Bewirtung von Freunden und Geschäftspartnern eignet. Selbst kleinere Veranstaltungen oder Produktpräsentationen können in den privat anmutenden Räumlichkeiten organisiert werden.

 

Gedanken zum Konzept
Betreiberinnen der grätzlhotels – Theresia Kohlmayr und Fanny Holzer-Luschnig im Gespräch

Hinter dem Projekt stehen gleich mehrere Personen, die, unabhängig voneinander aber nahezu zeitgleich, an der Idee des individuellen Wohnkonzepts für Reisende arbeiteten. Geschäftsführende Gesellschafterinnen sind die diplomierte Tourismuskauffrau Fanny Holzer-Luschnig, ehemals Generalmanagerin des 25hours Hotels Wien, und Theresia Kohlmayr, die gemeinsam mit den Gesellschaftern Jonathan Lutter und Christian Knapp von Kohlmayr Lutter Knapp und Markus Kaplan von BWM Architekten für Konzept und Planung der grätzlhotels verantwortlich zeichnen. Im Gespräch mit hotelstyle & gastro erläutern die beiden Gastgeberinnen Theresia Kohlmayr und Fanny Holzer-Luschnig das zugrundeliegende Konzept.

Wie kam es zu der Idee?
Theresia Kohlmayr: Die Nutzung urbaner Resträume war ein Schwerpunkt meines Studiums und auch der primäre Zugang von Kohlmayr Lutter Knapp zur Projektidee. Wir haben uns sozusagen vom städtebaulichen Standpunkt aus der Straßenebene genähert. Unabhängig davon hat die Grätzl Betriebs GmbH seit etwa zweieinhalb Jahren an dem Konzept individueller Städtereisen gearbeitet. Wenn Ideen zur selben Zeit an unterschiedlichen Orten geboren werden, sehe ich das als Indiz für ihre Erfolgsfähigkeit.

Was unterscheidet die Grätzlhotels von anderen Hotels oder von Airbnb?
Fanny Holzer-Luschnig: Wir haben die selben Auflagen wie Hotels, müssen die selben Abgaben leisten und funktionieren im Wesentlichen wie ein Hotel. Von der eigenen Suite aus und mit Hilfe unserer Partnerbetriebe kann man die Stadt aber viel individueller und direkter erleben.

Gab es Probleme mit den Anrainern?
Fanny Holzer-Luschnig: Nein, natürlich gab es Anfangs auch Bedenken, die wir aber, beispielsweise durch bauliche Maßnahmen, wie etwa Glaszwischentüren im Stiegenhaus, berücksichtigen konnten. Es geht uns aber auch darum, die Nachbarschaft mit einzubeziehen. Im Café Milchbart am Meidlinger Markt oder unserem eigenen Café „zur rezeption“ am Karmelitermarkt sind Wiener und Wiengäste gleichermaßen gerne zu Gast. Es haben auch schon Nachbarn Zimmer bei uns gebucht, etwa um Gäste der Familie mit größtmöglichem Platz und Komfort und dennoch ganz persönlich gleich in der Nähe der eigenen Wohnung unterbringen zu können.

Typisch für die grätzlhotels ist die Umfunktionierung leersstehender Geschäftslokale. Wo liegen hier die Vorteile, wo die Herausforderungen?
Theresia Kohlmayr: Natürlich musste ein entsprechender Schall- und Sichtschutz eingeplant werden. Baulich bietet diese Lage aber zahlreiche Vorteile. So sind im Sinne von Brandschutz- und Fluchtwegbestimmungen optimale Voraussetzungen gegeben. Sanitäranlagen sind meist vorhanden oder, dank der Nähe zum Kellergeschoß, rasch installiert. Auch die üblicherweise großzügige Raumhöhe kommt uns zugute. Die jeweilige Raumaufteilung kann da schon eher zur Herausforderung werden, aber gerade Herausforderungen sind ja eine gute Basis für kreative Lösungen.

In der Auslage wohnen – möchten das denn die Gäste?
Fanny Holzer-Luschnig: Manche möchten das wirklich. Gerade unsere Gäste aus Skandinavien sitzen gerne auch einmal direkt im Schaufenster und genießen den freien Blick auf die Stadt. Andere sind eher erleichtert, dass überall auch Sichtschutz gegeben ist. Wer lieber intimer wohnt, dem empfehlen wir Suiten mit kleineren Fenstern am Meidlinger Markt oder jene, die nur in den Innenhof führen.
Theresia Kohlmayr: Die meisten unserer Gäste kommen direkt auf uns zu, erkundigen sich gleich bei der Buchung über die Besonderheiten der jeweiligen Suiten und finden dann, dank der differenzierten Auswahl, auch das Konzept, das am besten zu ihnen passt.

Text: Heidrun Schwinger
Fotos: ©Andreas Laser

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Kategorie: News

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