Material, Farbe und Kunst – Redesign

2. Oktober 2018 Mehr

Es sind nicht nur Neubauten, die unsere Tourismuslandschaft laufend neu beleben. Auch bestehende Objekte verwandeln sich oft durch einige stilsichere Eingriffe in einzigartige Urlaubsdestinationen. Und auch – oder gerade – bereits erfolgreiche Hotels investieren regelmäßig in ihr Redesign.

Die Intervalle variieren, die baulichen Maßnahmen ebenfalls. Manchmal ist ein Zubau notwendig, manchmal ein erneutes Überdenken von Ausstattung und Funktion. Immer aber spielt das Design eine zentrale Rolle. Dieses soll dem Standort und der Zielgruppe optimal entsprechen, perfekt zum Bestand passen und diesen möglichst aufwerten. Es geht dabei natürlich in erster Linie darum, dass sich der Gast wohlfühlt. Aber auch Storytelling und Wiedererkennung, Alleinstellungsmerkmal und Einzigartigkeit gewinnen zunehmend an Bedeutung. Und hier fließt auch die Nähe zur Kunst maßgeblich in das Redesign eines Hauses ein. Kunst, Material und Farbe treten in eine Symbiose, die sich sehen lassen kann. Wir zeigen Ihnen im Folgenden einige gelungene Beispiele für ein gelungenes Redesign bzw. eine erfolgreiche Umwidmung bestehender Häuser in Österreich, Deutschland und Italien.

 

Design und Emotion

Die Intervalle variieren, die baulichen Maßnahmen ebenfalls. Manchmal ist ein Zubau notwendig, manchmal ein erneutes Überdenken von Ausstattung und Funktion. Immer aber spielt das Design eine zentrale Rolle. Dieses soll dem Standort und der Zielgruppe optimal entsprechen, perfekt zum Bestand passen und diesen möglichst aufwerten. Es geht dabei natürlich in erster Linie darum, dass sich der Gast wohlfühlt. Aber auch Storytelling und Wiedererkennung, Alleinstellungsmerkmal und Einzigartigkeit gewinnen zunehmend an Bedeutung. Und hier fließt auch die Nähe zur Kunst maßgeblich in das Redesign eines Hauses ein. Kunst, Material und Farbe treten in eine Symbiose, die sich sehen lassen kann. Wir zeigen Ihnen im Folgenden einige gelungene Beispiele für ein gelungenes Redesign bzw. eine erfolgreiche Umwidmung bestehender Häuser in Österreich, Deutschland und Italien.

 

Leonardo Royal Ulm

Im aufstrebenden Ulmer Dichterviertel überraschen hinter einer dezenten urbanen Fassade ein frisches Farbkonzept in zeitlosem Design. 148 Zimmer und Suiten mit bodentiefer Verglasung bieten hier ein weitläufig anmutendes Wohngefühl mit Referenzen an die Sehenswürdigkeiten der Stadt. Die öffentlichen Areale wie Bar, Restaurant und Veranstaltungsräume gehen als Open Lobby fließend ineinander über, generieren aber durch das differenzierte Farbkonzept unterschiedliche Stimmungen. Während der Lounge-Bereich mit sattem Braun und gedecktem Orange Einheit und Ruhe ausstrahlt, verleitet das Restaurant in den Farben Gelb, Grün und Violett zu lebensfrohem Genuss.

Redesign LeonardoUlmLeonardo-Ulm-Bett

 

 

 

 

 

 

Fotos:© Neudahm Design

 

Leonardo Boutique Berlin City South

Das Leonardo Boutique Hotel Berlin City South zeigt sich nach umfangreichen Renovierungen im Wert von mehr als 2 Mio. Euro mit betont individueller Ausstattung und noch mehr Wohlfühlambiente. Die Open-Lobby-Bar mit Glaspyramide und Lounge-Bereich, das Frühstücksrestaurant und die beiden Tagungsräume präsentieren sich als urbaner Hotspot für Geschäftsreisende. In den Zimmern fügen sich frische Farben und stilvolle Bildelemente mit regionalem Bezug zu einem gemütlichem Ambiente.

Redesign Leonardo BerlinRedesign Leonardo Berlin

 

 

 

 

 

 

Fotos:©Leonardo Hotels

 

NYX Madrid

Von der Street Art der Stadt inspiriert zeigt sich das NYX Hotel im Madrider Bankenviertel. Geplant ist kein Hotel für die Massen sondern für eine junge, urbane und kunstinteressierte Zielgruppe. Das Interieur ist durch exklusive Möbel, hochwertige Materialien und ausdrucksstarke Einzelstücke geprägt. Das spanische Lifestyle Hotel bietet 180 Zimmer, Bar, Terrasse, Dachpool und Tagungsräume. Regionale Dekorelemente treffen auf farbenreiche Tiermuster und modernes Interieur. Das Design zeigt sich modern, abwechslungsreich und etwas riskant in einem Mix aus Blau, Grün und Grau und Bezügen zur Ästhetik der 1970er-Jahre. Angelehnt an Nyx, die griechische Göttin der Nacht, werden außerdem Design-Interpretationen der Wildnis aufgegriffen, die eine exotische und aufregende Nacht widerspiegeln.

NYX MadridNYX-Madrid-Bar

 

 

 

 

 

 

Fotos:© Neudahm Design

 

Design als Hommage

Motel One Hotels erzielen mit ihrem Design einen hohen Wiedererkennungswert der Marke, realisieren aber auch stets eine hochwertige Hommage an den jeweiligen Standort. So wurde etwa im Motel One Freiburg mit einem traditionellen Kunsthandwerker für Kuckucksuhren zusammengearbeitet. Und für das Motel One Berlin-Upper West lichtete Starfotograf Jim Rakete Prominente ab, die den Weltruhm der Metropole illustrieren. Im Motel One Wien-Westbahnhof ist das Museumsquartier (MQ) als kultureller Hotspot Wiens Thema der Neugestaltung.

Dominierende Farbe ist ein dunkler, warmer Grauton – inspiriert durch die massive Bassaltfassade des mumok, dem Museum Moderner Kunst mitten im MQ. Die farbenfrohen Collagen des aus Linz stammenden Künstlers Thomas Draschan passen perfekt zu den Farben der hochwertigen Loungemöbel von B&B Italia, Moroso und Baxter und den beiden bunten Enzis, die den markanten Freiraummöbeln des MQ nachempfunden sind. Und selbst die Rückwand hinter der Bar ist eine ästhetische Hommage an die markante Architektur des MQ.
Im Treppenhaus verweisen Original-A1-Poster verschiedener Ausstellungen und Fotos von Hotelmitarbeitern an verschiedenen Orten im Areal des MQ auf die enge Beziehung zum Museumsquartier. In den Zimmern nehmen Collagen von Thomas Draschan an der Bettrückwand, ein Ledersessel der Sitzmöbelmanufaktur Freifrau, ein Tisch von B&B Italia und eine Stehleuchte von Artemide sowohl Kunst- als auch Designelemente auf, die dem Gast bereits aus dem Eingangsbereich des Motel One Wien, Westbahnhof vertraut sind.

MotelOneMotelOne

 

 

 

 

 

 

Fotos:©MotelOne

 

Design als Kunstwerk

Im Zentrum von Mailand verwandelte der italienische Designer Aldo Cibic ein typisches Wohnhaus in ein gemütliches, farbenfrohes 43-Zimmer-Hotel. Einige der Zimmer und Suiten des Savona 18 Suites bieten den Ausblick in den 310 Quadratmeter großen Innenhof, der mit Sofas, Armstühlen und farbigen Wänden als Wohnzimmer im Freien erlebt werden kann. Auch die Lobby präsentiert sich als einladendes Wohnzimmer – mit Sofas, Teppichen, Spiegeln – großteils von Aldo Cibic selbst designed – und minimalistisch arrangierten Accessoires, die wie Kunstobjekte einer Galerie wahrgenommen werden können. Der gekonnte Einsatz von unterschiedlichen Farben und Materialien lässt hier die Räume selbst wie moderne, dreidimensionale Gemälde wirken.

SavonaSaviano

 

 

 

 

 

 

 

Fotos:© Adelaide Saviano

 

Design und Standort

Das Hotel am Leuchtturm, direkt auf der Promenade von Warnemünde und nur wenige Schritte vom weißen, feinen Sand entfernt, ist ein 4-Sterne-Hotel im Boutiquestil. Seit der jüngsten Sanierung 2017 wird die bestehende Jahrhundertwende Bäderarchitektur durch einen modernen Anbau im Verandastil mit Lobby inklusive Kamin und einer eleganten Frühstückslounge ergänzt. Es galt, die alte Substanz zu bewahren, gleichzeitig Brandschutz und neueste Technik zu integrieren und ein klassisches und zugleich modernes Design umzusetzen. Das von JOI-Design konzipierte Interieur ist formal vom Wind und den Wellen der nahen Ostsee inspiriert und mit maritimen Details angereichert. Blau und Weiß als die dominierenden Farben werden mit Flächen aus graugebeizter Eiche kombiniert. Bilder, Blumen, Skulpturen und Bücher inspirieren zu Tagträumen. Bücherwand, Kamin und ein Regal zwischen Lobby und Frühstücksbereich machen die Lobby zum heimeligen Wohnzimmer – mit deckenhohen Fenstern Richtung Strand.

Lieblingsort der Designerin und Projektleiterin Wiebke Biß von JOI Design, ist die Lobby, die nicht nur Willkommensbereich ist, sondern auch das Herz des Hauses bildet mit seinen bequemen, einladenden Sitzmöbeln, dem warm flackernden Kamin und der großzügigen Bibliothek: „Coffee Table Books sowie sorgsam ausgesuchte Accessoires und Bilder geben dem Raum einen sehr persönlichen und wohnlichen Charakter. Gleichzeitig ist man dank der offenen Wintergartenfassade auch an das Leben auf der Strandpromenade und in den Straßen angebunden. Ein perfekter Ort, die Seele baumeln zu lassen und zu entspannen.“
Historische Fotografien auf dem Weg zu den Zimmern zeigen Strandmotive vergangener Tage und stehen in charmantem Kontrast zu dem atemberaubenden Ausblick auf den Strand und die Promenade. Die Einrichtung ist von natürlichen Materialien und von zurückhaltender Eleganz geprägt. Individuelle Accessoires und Details unterstreichen charmant den lokalen Charakter und passen so perfekt zum Standort als auch zu den Bedürfnissen der Gäste.

Leuchturm

Foto:©Simone Ahlers / JOI-Design

 

 

Redesign und Brucknerhaus

Das Brucknerhaus in Linz kennt man als Konzert- und Veranstaltungshaus weit über die Grenzen der Landeshauptstadt hinaus. Seit Anfang September 2018 betreibt die DoN-Gruppe hier im ersten Obergeschoss das „Bruckner’s“ – ein Lokal, das nicht nur bei Veranstaltungen geöffnet hat, sondern künftig auch als gastronomischer Hotspot der Stadt wahrgenommen werden soll. Gemeinsam mit Wögerer, spezialisiert auf Planung und Einrichtung von Gastronomie und Hotellerie, wurde das neue Konzept entwickelt und umgesetzt.
Dazu wurde die Location passend zum Industrial Style des Hauses komplett redesigned. Anstelle des ehemaligen Teppichbodens ist die Fläche nun in nüchterner Betonoptik erlebbar. Die große Glasfront wird dadurch noch stärker in Szene gesetzt. Und auch die Bar, an der Gläserregale Industriefenstern nachempfunden wurden, setzt den toughen Look – ähnlich einer Fabrikshalle – stringent fort. Gleichzeitig wird die Brücke zu Kunst und Kultur geschlagen.
Die mehrere Stockwerke hohen Wände mutieren zur Ausstellungsfläche für abstrakte Gegenwartskunst. In der Lounge-Ecke haben zwei aus der Linzer Hafenszene bekannte Graffitigrößen die Wände mit Themen aus der näheren Umgebung künstlerisch gestaltet. Und eine als riesige Donauwelle arrangierte und aus 75 Leuchtstäben bestehende Beleuchtung, schlängelt sich durch das gesamte Restaurant und setzt die Location somit auch nach außen weithin sichtbar in Szene.

Gemütlichkeit und Wohlfühlatmosphäre bringen Teppiche und Sitzmöbel in samtigen Ausführungen, in Senfgelb und in verschiedenen Grüntönen, in den Raum. Das Interieur selbst ist so flexibel gefertigt, dass es für Veranstaltungen komplett ausgeräumt werden kann, wodurch der Saal multifunktionell für unterschiedliche Gelegenheiten bespielbar ist. Demgemäß teilt auch lediglich ein raumhoher Vorrang den möglichst offen und frei gehaltenen Raum von einer separaten Sitzgelegenheit mit großem, rundem Tisch – als optionale Rückzugsmöglichkeit für mehrere Personen. Ergänzt wird das großzügige Raumangebot ab Frühjahr 2019 noch durch eine geräumige Terrasse, ebenfalls im Industrial Style natürlich.

BrucknersLinz

 

 

 

 

 

 

Fotos:©DoN group

 

Luxus-Design in historischem Kontext

Im kürzlich restaurierten Hamburger Stadthöfe Quartier eröffnete im Juni 2018 das Luxushotel Tortue Hamburg. Das sechsstöckige Gebäude im ehemaligen Amt für Stadtentwicklung mit seiner markanten roten Backsteinfassade wurde Ende des 19. Jahrhunderts erbaut und unter der Ägide von David Chipperfield Architects und dem in Hamburg ansässigen Stephen Williams Associates behutsam restauriert. Für das Interior Design konnten drei namhafte Internationale Planer gewonnen werden. In einer Umgebung, in der einst Napoleon Quartier bezogen haben soll, erlebt der Gast nun gehobenen Luxus und Savoir Vivre in einem verführerischen Mix aus Eskapismus und großem Tamtam.
Innendesignerin Kate Hume gestaltete die 114 Zimmer, acht Suiten und vier Longstay-Apartments des Tortue Hamburg mit einem gewagten Mustermix in dezenter Farbgebung mit betont vornehmen und einladendem Ambiente. Die eigens angefertigten Tapeten stammen von Little Owl Design, sanften Messinghängelampen von Arieti und die Illustrationen in den hellgefliesten Bädern von Katrin Stroeh. Üppige, weiche Materialen sorgen hier – wie auch in den öffentlichen Bereichen – für eine warme, fast schon intim gehaltene Innengestaltung.
Den Rahmen für Bar, Lobby und Restaurant im Tortue Hamburg bilden meterhohe Decken, hohe, gewölbte Fenster und schmiedeeiserne Detailarbeiten sowie original Fresken von Adrian Karbowsky aus dem Jahr 1910 und Böden aus Mosaikfliesen. Für das asiatische Restaurant Jin Gui wählte Designerin Joyce Wang ein dunkleres und verführerisches Interieur. Die französisch-deutsche Brasserie ist von schwarzen Metrofliesen, geschwungenen Sitznischen und Marmortresen gekennzeichnet. Schachbrett-Boden und Nadelstreif-Wände erinnern an exklusive britische Clubs. Die „bar noir“ wurde von Stephen Williams designt, die „bar bleu“ nahe der Lobby von Kate Hume. Hinzu kommt eine offene Dachterrassen-Bar mit Blick auf die Elb-Philharmonie.

Foto:©Design Hotels

 

Architektur als Basis für Kunst und Design

Der enge Bezug zu Architektur, Kunst und Kultur kommt im Best Alpine Wellnesshotel Krallerhof von Seiten der Eigentümerfamilie. Gerhard Altenberger lässt Zimmer und öffentliche Bereiche von und mit Werken zeitgenössischer Künstler gestalten und hat beim jüngsten Umbau auch das Haus selbst als Kunst­objekt inszeniert. Robert Montgomery, einer der bedeutendsten zeitgenössischen Vertreter der konzeptionellen Kunst im Bereich von Text und Bild, wurde eingeladen, die Fassade des neuen Apartmenthauses „Weitblick“ in Szene zu setzen. Die Bewegtbilder des schottischen Künstlers verleiten hier zum Innehalten, Staunen und Genießen der Symbiose von gebauter und gewachsener Landschaft. Rahmen und Voraussetzung für Design und Kunst bildet die Architektur aus der Feder des Salzburger Architekturbüros ATELIER 3 der Architekten Hartl + Heugenhauser, die seit über zwanzig Jahren für das weithin bekannte Hotel in Leogang planen und umsetzen.

nitsch raum und Ruhekristall
Im 2.500 m2 Wellnessbereich „Refugium“ entfalten Werke bekannter Maler ihre energetische und zugleich meditative Wirkung. Im „nitsch raum“ beeindruckt etwa ein großflächiges Original des Malers Hermann Nitsch. Und im lichtdurchfluteten „Ruhekristall“ stimmt eine intensive Wandmalerei von Ty Waltinger auf Entspannung ein.

Farbsuiten
Schon in der Vergangenheit hat der Pigmentkünstler Waltinger viel mit der Familie Altenberger zusammengearbeitet. Mehrere Monate arbeitete er an der Wandgestaltung in ausgewählten Suiten des Hauses. Seine seltenen und nach alten Rezepturen selbst gemischten Pigmente prägen nun die sogenannten Farbsuiten und ermöglichen es den Gästen – neben klassischen Zimmern im Landhausstil – auch in exklusiven Ultramarin-, Safran-, Purpur-, Vanille-, Zimt-, Ocker-, Silber- und Gold-Suiten zu nächtigen.

Bar
2018 wurden die bisherigen Bauetappen mit ihren unterschiedlichen Handschriften zu einem zeitgemäßen Gesamtbild zusammengefasst. Hotelfassade, Lobby und Bar sind hier wesentliche Eckpunkte der jüngsten baulichen Maßnahmen, die nun mehr Orientierung und Raumerlebnis bieten. In der neu gestalteten Krallerhof Bar setzen Samtstühle aus Dänemark und Spanien, Metallgewebe aus Belgien und Couchsessel aus alten Autoblechen aus dem Senegal ebenso Akzente wie Samt-Metall-Sessel aus Griechenland, eine Straußenfederlampe aus England oder ein Glaslüster aus Aleppo. Die Vielfalt der einzelnen Exponate findet in einer großflächigen Wandgestaltung von Ty Waltinger eine gemeinsame gestalterische Klammer.

KrallerhofKrallerhof

 

 

 

 

 

 

Fotos:©Bruno Klomfar

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Kategorie: Projekte