Kryptisch – die krypt.bar in Wien

10. Januar 2018 Mehr

Nahe dem Freudmuseum in der Wiener Berggasse im neunten Bezirk eröffnete im Frühling 2017 die krypt.bar als neuer Geheimtipp der österreichischen Bar-Szene. Doch wohl kaum etwas spricht sich schneller herum als ein Geheimnis.

Gleich nach ihrer Eröffnung bewertete Falstaff die neue Wiener Bar mit beachtlichen 95 Punkten und vergab davon 48 von 50 für Drinks, 18 von 20 für Service, 9 von 10 für Sortiment und die volle Punktezahl 20 von 20 für Ambiente. Nun machte eben dieses Ambiente auch in den USA von sich reden. Im Oktober 2017 erhielt das Wiener Büro KLK für das Projekt den American Architecture Prize.

 

39223-main_3048-1_39223_sc_v2com

 

Trotz aller Publicity legen die Betreiber weiterhin Wert auf eine gewisse Verschwiegenheit. Die Homepage gibt sich betont „kryptisch“, der Eingang in der Wasagasse ist gewollt unscheinbar – eine schlichte graue Tür ohne Beschilderung – und das Bargewölbe selbst liegt – uneinsehbar von der Straße – rund zwölf Meter unter der Erde. Hier stolpern Gäste nicht einfach zufällig herein. Hier muss man hinwollen. Will man auch, denn zu den raren Öffnungszeiten (Dienstag und Donnerstag von 18 bis 2 Uhr und Freitag, Samstag von 20 bis 4 Uhr) ist die Bar gut gefüllt.
Vom Eingang gelangt man zunächst auf eine erste unterirdische Ebene. Hier befinden sich ein verspiegeltes Vestibül und die Garderobe. Dann geht es weiter bergab, über beleuchtete, geradezu „schwebende“ Stiegen, inszeniert wie ein Laufsteg in die Tiefe. Dieser zweite Keller wurde bei Renovierungsarbeiten des im 18. Jahrhundert erbauten Hauses wiederentdeckt. Schriftzüge wie „Rauchen verboten“ und „Just Jazz!“ standen noch auf den Ziegelwänden, als die ersten Begehungen der unerwarteten Raum-Erweiterung stattfanden. Nachforschungen ergaben, dass hier in den 50er und 60er Jahren der semi-legale Jazzclub „Old Time“ mit illustren Gästen wie Fatty George und dem jungen Joe Zawinul beheimatet war. Die weitere Nutzung der Fläche als Club bzw. Bar war damit vorgelegt.
Um den Gästen nicht die Freude am eigenen Entdecken zu nehmen, soll von Ambiente und Raumaufteilung nach wie vor nicht zu viel verraten werden. Nur so viel: Das Lokal ist rund 250 Quadratmeter groß und bietet 52 Sitze, verteilt auf mehrere intime Sitz­ecken und eine riesige Bar, an deren Planung Barchef Daniel Schober bereits intensiv beteiligt war. Diese Bar ist nicht nur funktional bis ins Detail geplant, sondern auch visuell bemerkenswert, sorgt sie doch mit Materialien wie Marmor, Nussholz und Messing für ein auffallend edles Ambiente. In Gold vergossen sind die Lüftungsrohre – und damit nicht nur notwendiger, sondern durchaus selbstbewusster Bestandteil der Wahrnehmung.

Eingerahmt wird der Raum von einem gemauerten Ziegelgewölbe, das die Namensgeber der Bar wohl an eine Krypta erinnert haben mag. Für den Boden wurde italienischer Nero-Marquina-Marmor in Fischgrät verlegt, frei nach Loos in Schwarz und Weiß. Licht wird zum wesentlichen Element der Raumgestaltung, kommt indirekt von der Seite, von unten, selten von oben. Die Möbel und die Beleuchtung erwecken den Eindruck, als stammten sie direkt aus einem Museum für internationales Möbeldesign. So findet man hier etwa die berühmten Platner Armlehnstühle von Knoll, das Sofa DS-1025 von Ubald Klug und die brandneuen Sitzsäcke von Alexander Wang für Poltrona Frau. Blickfänge sind außerdem die Flying Candles von Ingo Maurer und ein Gemälde des Wiener Künstlers Alexander Ruthner.

 

 

 

krypt.bar

Adresse: Wasagasse 17, 1090 Wien
Bauherr: K 5 Beteiligungs GmbH

Architektur/Interior Design: Büro KLK & BFA
Jonathan Lutter, Christian Knapp,
Fabian Lutter, Jürgen DePaul,
Andreas Pust

Bauaufsicht: Cetus Baudevelopment GmbH & Oliver Gusella
Licht: Molto Luce

Bau- & Planungszeit: ca. 2 Jahre
Fertigstellung: Frühling 2017

Fotos: ©David Schreyer

Tags: , , , , , , ,

Kategorie: Projekte