Klein, aber mein – Tiny Houses

22. Oktober 2019 Mehr

Klein, aber mein – Tiny Houses

Individuell, einzigartig und möglichst in Einzel(ruhe)lage – diese Eigenschaften wünschen sich immer mehr Reisende von ihrem Urlaubsdomizil.  Gleichzeitig wollen viele Gäste nicht auf den gewohnten Luxus wie Zimmerservice, Well- nessbereich und kulinarische Köstlichkeiten verzichten. Um alle Vorteile eines Hotelbetriebs und die Exklusivität kleiner, eventuell sogar individuell positionierbarer Wohneinheiten unter einen Hut zu bringen, gibt es viele Ansätze.

Einer davon ist die Positionierung von kleinen Satelliteneinheiten rund um das Haupthaus. Chalets und Apartmenthäuser werden durch Biwaks, Bungalows und Co. ergänzt. Manche Häuser bieten aber auch eine Nacht „unter Sternen“ oder „auf der Alm“ als besonderes Erlebnis zusätzlich zur Zimmerbuchung. Und auch die „Nacht im Museum“ oder das „Ein-Zimmer-Hotel mitten in der Stadt“ lassen sich dank mobiler Innovationen in das bestehende Zimmerangebot einbinden.

Im Folgenden stellen wir Ihnen einige ungewöhnliche „Tiny Houses“ vor, die in Zukunft vielleicht auch das heimische Hotelerlebnis bereichern werden.

 

Im Einklang mit der Natur – tiny lumicene

Lumipod der französischen Entwickler Lumicene ist als Rückzugsort inmitten der Natur konzipiert. Dank der vier Sockel an der Unterseite des Gebäudes wird der Untergrund nur punktuell belastet und damit kaum beeinträchtigt. Die Außenwände aus dezent gefärbtem Holz fügen sich harmonisch in das Land- schaftsbild. Und auch das Interieur setzt auf möglichst unaufgeregtes Design. Eine große Glasfront mit fünf Metern Durchmesser lässt sich komplett öffnen oder für mehr Privatsphäre auch ganz verschließen. Die kreisförmige Hütte misst einen Durchmesser von nur 5,45 Metern bei einer Höhe von 3,25 Metern und bietet auf den rund 17 m2 Fläche Schlafzimmer, Toi- lette und Dusche – also alles, was Bewohner für einen kurzen, komfortablen Aufenthalt brauchen.

Die Konstruktion lässt sich innerhalb von zwei Tagen zusammenbauen und wird innerhalb von sechs Monaten an den gewünschten Ort geliefert. Eine auf Energieautarkie ausgelegte Weiterentwicklung der Kapsel ist bereits in Planung.

 

 

 

 

 

 

 

Fotos:©oxygen

www.lumicene.com

 

Biwaks unter Sternen

An besonderen Orten rund um den Millstätter See – hoch oben am Berg, auf einer Waldlichtung, in einem großen Garten oder direkt am Wasser – befinden sich sieben Biwaks, die jeweils von einem Hotel der Region bewirtschaftet werden.

Die Initiative der Millstätter Tourismusgesellschaft, vom Wirtschaftsministerium ausgezeichnet und mit rund 190.000 Euro gefördert, wurde nach einem Konzept des Schweizer Szenografen Roger Aeschbach 2017 von heimischen Betrieben umgesetzt.

Die 15 Quadratmeter großen Refugien sind geprägt von einem fast raumfüllenden Bett. Darunter befinden sich die Ablageflächen. Zwei Stühle und ein kleiner Tisch teilen sich die restliche Fläche mit einem eigenen Nassraum mit Campingtoilette, Waschbecken und Wasserkrug. Der Wasserhahn bzw. eine spartanische Duschmöglichkeit befinden sich outdoor. Die Ausstattung zeigt sich bewusst puristisch – Flatscreen und Co. werden Gäste hier vergeblich suchen. Dafür setzt sich die umgebende Natur umso mehr in Szene. Eine Glasflügeltür öffnet den Raum Richtung Veranda und Außenbereich. Absolutes Highlight sind aber die großen Panoramadachfenster, von denen die „Biwaks unter Sternen“ auch ihren Namen haben.

Fotos:©Hotel Moserhof / Jens August, Nina Hade

www.millstaettersee.com

 

Rundum exibel – tiny casa jalá

Einen Prototyp für mobile Miniarchitektur präsentierte Beatrice Bonzanigo vom Mailänder IB Studio 2019 auf der Milan Design Week. Das Besondere an die- sem „Casa Ojalá“ ist aber nicht, dass man es nahezu überall aufstellen kann. Das geht mit einem Zelt oder einem Container auch. Von diesen unterscheidet sich der zweistöckige Turm mit dem runden Grundriss jedoch zum einen durch weitgehende Autonomie dank integrierter Regenwasser-Speicherung und Sonnenkollektoren auf dem Dach. Zum anderen aber vor al- lem durch die flexible Raumnutzung.

Die beiden Schlafzimmer, eines mit Doppelbett, ei- nes mit Einzelbett, das Badezimmer, die Terrasse, die Küchenzeile und das Wohnzimmer können flexibel getrennt oder auch verbunden werden. Und selbst die Außenwand lässt sich mit einem manuell zu bedienendem System aus Seilen, Rollen und Kurbeln jederzeit entfernen. So wird die Unterkunft zum Pavillon. Ob sich diese o -the-grid-Wohnmöglichkeit tatsächlich als mobiles Heim anbietet, ist fraglich. Als außergewöhnliche Hotelsuite an besonders schönen Standorten rund um das Haupthaus ist es aber bestimmt eine gefragte Zimmerkategorie.

Bilder:©Architect Beatrice bonzanigo, IB Studio

www.ib-studio.eu

 

Energieautarkes Ei

Vollkommen unabhängig von jeglicher Infrastruktur lässt sich „Ecocapsule“ von dem slowakischen Designbüro nice&wise design an jedem beliebigen Ort aufstellen. Vier kurze Beine verleihen dem mobilen Heim Standfestigkeit und verringern den Eco-Foot- print. Solar-Paneele mit 880 Watt auf dem Dach und ein Windrad mit bis zu 750 Watt versorgen das Ei mit Strom. Regenwasser wird über die Oberfläche gesammelt, in einem Wassertank gespeichert und bei Bedarf gefiltert. Licht kommt durch rechteckige Fenster an beiden Seiten des Objekts. Zusätzliche Leuchtmittel sind versteckt und offenbaren sich erst nach dem Einschalten. Die weißen Flächen reflektieren dieses nicht nur optimal, sondern bieten auch eine angenehm neutrale Kulisse für die Bewohner. Die eiförmige Kapsel enthält zwei Betten, ein Bad mit Warmwasser, eine kleine Kücheneinheit, eine Toilette und großzügigen Stauraum, somit also alles, was eine Unterkunft braucht – und das auch gerne einmal fernab vom Hotel. 

 

 

 

 

 

Bilder:©Nice Architects

 

Ein Pavillon für jeden Standort – tiny pavillon

Den Prototyp für ein modulares Haus, das sich für eine Vielzahl an Standorten eignet, entwarf die slo- wenische Firma OFIS Arhitekti. „The Living Unit“ besteht aus mehreren Modulen, die sich horizontal oder auch vertikal flexibel anordnen lassen. Damit passt sich der, übrigens auch ganzjährig nutzbare, Bau selbst dem kleinsten Bauplatz, unwegsamem Terrain und auch extremen Witterungsbedingungen optimal an. Bis auf ein großes Panoramafenster sind die Fenster bewusst klein gehalten, um eine Überhitzung der Module zu verhindern.

Die beliebig erweiterbare Basis-Einheit ist 2,5 Meter breit, 4,5 Meter lang und 2,7 Meter hoch. Sie bietet ausreichend Platz für ein Bett, eine Küche und ein Bad. Beim Prototyp verfügt die Einheit über einen hölzernen Rahmen, wobei das Material je nach Einsatzgebiet austauschbar ist. Auch das Innere der Module besteht fast vollständig aus Holz. Die Einrichtung ist funktional und bietet ausreichend Möglichkeiten zur Personalisierung.

Fotos:©Janez Martincic

 

Ein Fuhrpark voller Häuser

Mit einer Kollektion von insgesamt zwanzig rollenden Häusern eröffnete das bislang größte Tiny-House-Hotel im Juni 2019. Das River and Twine Hotel liegt am Ufer des Tar River auf dem Rocky Mount Mills Campus, wo sich neben der Hotelanlage auch ein 200 Jahre alter Baumwollspinnereikomplex befindet, der kernsaniert wurde. Dort untergebracht sind nun zahlreiche Büros, Wohnungen, Restaurants, Ein- kaufsmöglichkeiten, Veranstaltungslocations sowie eine kleine Brauerei.
Somit sind die kleinen mobilen Häuschen an ein komplettes Infrastrukturnetz angeboten. Gleichzeitig ermöglichen sie viel Raum für Individualität und Privatsphäre. Die Tiny Houses sind alle unterschiedlich gestaltet, bieten jeweils Platz für ein bis vier Gäste und sind mit einer Küche, einem offenen Schlafbereich in der Galerie sowie Sitzmöglichkeiten und einem eigenen, kleinen Badezimmer ausgestattet. Die Räumlichkeiten verfügen außerdem über alle gängigen Hotelannehmlichkeiten, wie Fernseher, Wi-Fi, Klimaanlage, Handtücher, Badeartikel und Schränke.

Fotos:©Modern Tiny Living

www.riverandtwine.com

 

Minimalismus in roher Hülle

Eine Mischung aus modernem Komfort und traditionellen Materialien ist die vorge- fertigte Hütte h-eva im Südwesten Frankreichs. Sie wird per Kran auf- und wieder abgebaut, berührt die Erde nur leicht und hinterlässt so auch kaum Spuren. Die Architekten von Studio A6A verwenden dazu ausschließlich einheimisches Holz, das mit Feuer versiegelt eine robuste und dunkle, beinahe rohe Außenhaut bildet. Wände, Decken, Fußböden und Möbel be- stehen allesamt aus hellem Holz. Das Interieur umfasst Ess- und Wohnzimmer, Küche, Badezimmer und zwei Betten auf nur 20m2 Fläche, die sich aber dank der breiten, vollständig offenbaren Fensterfront Richtung Außenbereich vergrößert. Neben der natürlichen Lichtquelle sorgen geschickt angebrachte Lampen im Ess- und Wohnbereich für eine angenehme Beleuchtung.

 

 

 

 

 

 

 

Fotos:Agnès Clotis

 

 

Suite auf Reisen

Assistenzsysteme beim Fahren entwickeln sich stetig weiter und der Fahrassistent mutiert auch in der Serienproduktion immer mehr zum Autopiloten. Keine Überraschung also, wenn hier einen Schritt weiter gedacht wird und das erste autonom fahrende Hotelzimmer in den Entwurf geht.

Die Autonomous Travel Suite ist eine fahrerlose, mobile Hotelsuite, die den Gast bequem von Tür zu Tür bringt. Hotels, die einem Drive-in ähnlich, dann nur mehr Lobby, Spa und Restaurant bieten – der Gast nimmt sein Zimmer ja mit – wären die Folge.

So ließen sich verschiedenste Destinationen bequem bereisen, ganz ohne Koffer ein- und auspacken und, im Gegensatz zu Wohnmobil oder Wohnwagen, auch mit dem Luxus, dass kein Urlaubsgast selbst lenken muss. Gleichzeitig soll die neue Form des Reisens nicht nur mehr Komfort und Privatsphäre ermöglichen, sondern auch Kosten sparen, da Zimmer- und Reisekosten sozusagen ineinander übergehen.

Das Aprilli design studio aus Toronto sieht in dieser Form des Reises hohes Potenzial und hat dazu nicht nur virtuelle Prototypen, sondern auch gleich ein Kunst-Wort geschaffen. Transportation + Hospitality = Transpitality. Es bleibt also nur noch abzuwarten, ob sich die fahrerlose Suite künftig durchsetzen kann.

Bilder:©Aprilli design studio

www.aprilli.com

 

Hotel aus dem Zylinder – tiny slube

Vereinzelt oder auch in Gruppen aufgestellt findet man in Berlin, Meissen oder Neustrelitz eine kleine, mobile Hotel-Box, entwickelt von Veloform gemeinsam mit der slube GmbH. Hier hat man ein ganzes Hotel für sich allein, wenn auch in einer Mini-Variante. Denn das zylinderförmige „slube home“ mit einem Durchmesser von gerade einmal zweieinhalb Metern ist nicht viel größer als eine Litfaßsäule. Die Grundfläche misst außen 6 m2 und innen, abzüglich Wärmedämmung und Fassade, verteilt auf zwei Stockwerke lediglich 11 m2. Platz genug für ein Doppelbett, einen Tisch mit Sitzbank und ein Bad inklusive WC und Dusche.

Dank der Hülle aus isoliertem Stahlbeton und des ausgeklügelten Heizungssystems kann der Cube ganzjährig genutzt werden. Die Temperatur und vieles mehr können im Vorfeld eingestellt werden. Buchungen sind online möglich und auch der Zugang kann über ein online-Schließsystem erfolgen. Damit ist der Cube unabhängig vom Standort des Hotels nahezu überall positionierbar – und das sogar ohne Fundament.

www.slube.de

 

Das Zelt-Zimmer

Mit nur zwölf Kubikmetern extrem kompakt, findet der sleep Cube der Hamburger Unternehmerin Karen Löhnert selbst dort Platz, wo man an sich keinen Schlafplatz erwartet hätte. Das mobile Hotel-Zelt mit seinem kurvigen Rahmen lässt sich ganz einfach im Steckbauprinzip auf- und abbauen – indoor ebenso wie outdoor: Die stabilen Seitenteile aus recyclefähigem Kunststo sowie die Stoffbahnen aus Persenning sind absolut wetterfest. Gleichzeitig schont die Unterseite mit Rollen den Untergrund, ideal falls etwa einmal ein Museum oder eine Kirche als Event-Schlafplatz zur Verfügung steht. Innen befinden sich neben einer Sojaölkernmatratze für zwei Personen, bequemen Kissen und kuscheligen Decken auch ein dreiteiliger Schrank mit verschließbarem Fach und stromsparende LED-Beleuchtung. Nicht nur darin unterscheidet sich der Cube von einem herkömmlichen Zelt. Das transparente Dach und die großen, bei Bedarf über Rollos verschließbaren Panoramafenster sind ebenfalls Goodies, mit denen kaum ein Campingzelt mithalten kann. Zudem steht immer nur ein sleeperoo an einem Ort.
Der Micro Retreat ist schließlich nicht für privates Camping vorgesehen, sondern vielmehr als mobiles Hotelzimmer, das sowohl auf die Herausforderungen des nachhaltigen Reisens reagiert als auch auf das  Bedürfnis von Destinationen, ihren Gästen besondere Erlebnisnächte an außerge- wöhnlichen Orten anbieten zu können.

Fotos:©Sleeperoo

www.sleeperoo.de

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Kategorie: Newsletter, Projekte

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