Inspirierende Orte – Restaurant & Bar Award

22. Januar 2018 Mehr

Auch 2017 hat der Restaurant & Bar Design Award wieder außergewöhnliche Projekte prämiert. Damit fand der Wettbewerb heuer bereits zum
9. Mal statt. Viele anerkannte Designer und namhafte Architekten wie Zaha Hadid, Kengo Kuma und Foster & Partners gehörten bereits zu den Preisträgern. Die heurigen Sieger in den 36 verschiedenen Kategorien wurden am 5. Oktober 2017 in King’s Cross in London bekannt gegeben.

Auffällig ist bei vielen der prämierten Projekte der vermehrte Bezug zwischen Interior Design und Umgebung. Nicht oder nicht nur der Raum allein bestimmt dessen Gestaltung, sondern fast noch mehr das, was sich um diesen herum befindet, bzw. was der Gast als spezifisches Umfeld sozusagen assoziativ mitspüren soll:
Die beiden Hauptgewinner spielen beide deutlich mit der jeweiligen Umgebung – wobei die „beste“ Bar über dieser Umgebung, das „beste“ Restaurant unter der namensgebenden und damit auch design­prägenden Location liegt. Auch das Design des „Escapologist“, der „besten Bar Londons“ ist wesentlich von ihrem Standort und dessen Geschichte inspiriert. Und auch „Fucina“, das „beste Restaurant des Landes“ nimmt Bezug auf einen Ort – allerdings liegt dieser nicht in Großbritannien sondern im sonnigen Italien – genauer gesagt, in dessen Vergangenheit.

 

The Penny Drop

Der Hauptpreis „Best Overall Restaurant“ ging an “The Penny Drop” in Melbourne, Australien, entworfen und umgesetzt von dem in Windsor, Australien, ansässigen Designbüro Golden, das mit diesem Projekt auch in der Kategorie „Surface interiors“ als Gewinner hervorging und es in den Kategorien „Lighting“, „Australia & Pacific Restaurant“ sowie „Café“ in die engere Auswahl schaffte. Für Grafik und Branding zeichnete Pop and Pac verantwortlich. Der Name des Lokals steht hier in engem Bezug zur Location, befindet es sich doch direkt unterhalb der australischen Steuerbehörde. Der Kreis als Symbol für die Geldmünze – aber auch als Schnittfläche der Tasse, die hier auf jene Pennys gehoben wird, die aus den oberen Taschen fallen mögen – ist die stilprägende Grundform. Nicht nur die große Theke ist kreisförmig geschwungen, auch alle Leuchten, Holztrennwände und die verschiedenen Oberflächen in Holzfurnier, Granit oder Goldfarbe, fügen sich zu einer oder mehreren Kreisformen zusammen.

www.designbygolden.com.au/
www.pop-pac.com

Fotos:©Golden/Brooke Holm

 

Westlight

Der zweite Hauptpreis „Best Overall Bar“ wurde an das in Toronto, Kanada, beheimatete Studio Munge rund um den italienischen Designer Alessandro Munge für seine New Yorker Rooftop-Bar „Westlight“ verliehen, die auch in der Kategorie „American Bar“ als Gewinner ermittelt wurde. Sie befindet sich im 22. Stockwerk eines insgesamt 23-stöckigen Glas-Wolkenkratzers in Williamsburg, Brooklyn. In diesem Hochhaus ist auch das Fünf-Sterne-Hotel „The William Vale“ untergebracht. Ein Luxushotel im Glaspalast, umgeben von einstigen Fabrik- und Industriebauten, in einem ehemaligen Arbeiterbezirk, der heute wohl noch angesagter ist als East Village in Manhatten. Die Lage – und auch der großartige Blick auf die Stadt – sind bereits einzigartig, aber auch Inspiration und Herausforderung für die Innengestaltung. Das Interieur ist gekennzeichnet durch schwarzes Eisen, Naturstein, edles Leder und sinnlichen Samt in den Farben Senfgelb und Blau. Ein vertrauter Materialmix, in dem sich der Gast sofort wohlfühlt. Gleichzeitig wirkt das Design modern und frisch, kühn aber nicht gekünstelt, edel und vermitteltdoch – mit Bezug auf die ehemaligen Industriebauten der Umgebung – einen gewissen industriellen Charme. Das filigrane Design der von Studio Munge großteils selbst entworfenen Möbel und Lampen erinnert aber nicht nur an das reduzierte Design des frühen 20. Jahrhunderts, sondern meistert auch noch den Spagat zwischen selbstbewusstem Statement und möglichst unverbautem Blick auf die Silhouette der Stadt.

www.studiomunge.com

Fotos:©Studio Munge

 

The Escapologist

Die als beste Bar Englands, bzw beste Bar/bester Club überhaupt ermittelte Cocktailbar „The Escapologist”, designt von Finch Interiors, London, liegt im Londoner Covent Garden – und zwar genau in jenem Gebäude, wo sich Gerüchten zufolge das Hauptquartier jener Geheimgesellschaft befand, die das Viktorianische London regiert haben soll. Im Inneren scheint die Zeit teilweise stehengeblieben. So als wäre es immer noch 1899. Allerdings mit hochwertigen und durchaus trendigen Cocktails und Pizzen. Begrüßt werden Gäste an einer schlichten, blauen Tür, über der das Auge der Vorsehung sitzt. Dann führt der Weg hinunter in ein bunkerartiges Refugium mit Gewölbedecken, die mit mondgemusterten Tapeten bedeckt sind und von Schachbrettbodenfliesen und tiefblauen Ledersitzbänken ergänzt werden. Dazu antik anmutende Kerzenhalter an den Tischen, eine gekachelte Bar und skurrile Portraits an den Wänden verwandeln den Raum in ein geradezu magisches Ambiente.

http://finchinteriors.co.uk/

Fotos:©Finch interiors

 

Fucina

Der aus Australien stammende und in London situierte Designer Andy Martin ist in der Gastronomie- und Hotel-Architektur längst kein Unbekannter. Zahlreiche Preise konnte Andy Martin Architecture (AMA) bereits gewinnen, zuletzt auch den American Architecture Prize für das Wohnobjekt Perf House im Oktober 2017.
Fucina, ein modernes italienisches Restaurant in der Londoner Paddington Street, wurde bei den heurigen Restaurant & Bar Design Awards als bestes Restaurant von London und von ganz Großbritannien ermittelt. Die Küche des Fucina steht für Bio-Produkte, nachhaltig bezogen und mit italienischen Handwerkstechniken aufbereitet. Ziel der Innenarchitektur war es, diese Philosophie in den Raum zu übersetzen und den typisch italienischen Stil neu zu interpretieren. Der Raum ist von sinnlichen Formen geprägt, die Materialen sind möglichst roh und unbehandelt erlebbar – eine Referenz an die Produkte in der Küche.
Die vorherrschenden Materialien sind Ziegel, Holz, Marmor und gebrannter Stahl. Ein Highlight ist wohl die handgefertigte gebogene Decke. Sie erinnert an das Innere eines Pizzabodens und verleiht dem Raum eine visuell dynamische Komponente. Die Böden – ein mit von Hand eingelegten Marmorsplittern versehener Terrazzo-Zement – erinnern an Carlo Scarpas Olivetti-Showroom in Venedig. Im Erdgeschoss können 110 Gäste an massiven, geradezu wie Bäume aus dem Boden wachsenden Tischen, auf aus speziellen Ästen gefertigten Bänken und Sesseln Platz nehmen. Eine Hommage an ein tief verwurzeltes und zugleich daraus herausragendes kulinarisches Erlebnis. Im unteren Geschoss befindet sich schließlich der Chef’s Table. Hier erinnern Stahlwandpaneele, grober Ziegelboden und die offene Feuerstellenküche noch einmal wesentlich deutlicher als im Gastraum an die traditionell italienische Fucina – also jene Feuerstelle einer Schmiede oder auch Küche, die das Zentrum italienischer Koch- und Handwerkskunst bildete.

www.andymartinarchitecture.com/

Fotos:©Andy Martin / Nick Rochowski Photography

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Kategorie: Awards/Preise, Projekte

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