Internationale Siegerbiere – National Brewery Centre

8. Juli 2019 Mehr

National Brewery Centre

Anfang März 2019 war es wieder soweit. Das britische National Brewery Centre in Burton upon Trent, UK gab die Gewinner der traditionsreichen International Brewing and Cider Awards bekannt.

Der internationale Bewerb fand erstmals 1888 statt. Gewürdigt werden seither Innovation, die Liebe zum Detail und die harte Arbeit der Bier- und Ciderproduktion. Gleichzeitig spiegelt die jährliche Auswahl der ausgezeichneten Apfelweine und Biere auch die Veränderungen in der Branche wider.
Es werden dabei sowohl Qualität als auch Diversität abgebildet und ein beeindruckender Überblick über Braukunst und die Kunst des Cider-Machens gegeben. Ein Schlüsselkriterium für die Jury ist aber auch stets der kommerzielle Wert der eingereichten Produkte. Innovation und Kreativität reichen schließlich nicht, damit sich die prämierten Getränke auch am Markt bewähren. Was letztlich zählt, ist der Geschmack des Konsumenten. Ein Grund mehr, warum sich ein Blick auf die Gewinner auch für die heimische Gastronomie lohnen mag.

 

 

133 Medaillen
Über 1000 Biere und Ciders aus 50 Ländern wurden heuer drei Tage lang verkostet und bewertet. Insgesamt konnten dann in mehreren Kategorien 133 Medaillen vergeben werden. Brauereien und Cider-Hersteller aus Österreich waren diesmal nicht unter den Medaillen-Gewinnern. Prämierte Cider-Hersteller kommen vor allem aus England und den USA, aber auch aus Belgien, Luxemburg und Zypern, aus Australien, Deutschland und der Schweiz.
Bier-Auszeichnungen gingen an weltweit bekannte Marken wie Sierra Nevada, Samuel Adams, Camden Town, Deschutes, Fullers und Big Drop, aber auch an kleine Craft Beer Brauereien aus allen Teilen der Welt.

Lager aus aller Welt
Besonders international sind heuer auch die Hersteller der Lagerbiere aufgestellt, um nur ein Beispiel für die Vielfalt hervorzuheben:
In der Kategorie Lager 2.9% bis 4.4% ABV siegte Saigon Lager von SABECO aus Ho Chi Minh City, Vietnam vor XXXX Bitter und XXXX Gold, beide von Castlemaine Perkins aus Brisbane, Australien. In der Kategorie Lager 4.5% bis 4.9% ABV kamen die prämierten Biere aus Kalifornien, USA (Firestone Lager von Firestone Walker), aus England (Charlie Wells Dry Hopped Lager von Charles Wells Ltd) und aus Tasmanien (James Boag’s Premium Lager von J Boag & Son). Und bei Lager 5.0% bis 5.4% ABV setzte sich Maes von Alken-Maes aus Belgien vor Buckskin German Pilsner der Buckskin Brewery aus Taiwan und Myanmar Premium der Myanmar Brewery durch. In der Kategorie Lager 5.5% bis 6.9% ABV ging Gold an Lech Pils von Lech Browary Wielkopolski aus Polen, Silber an Anarkist Motueka Lager von Theodor Schiøtz Brewing Co aus Dänemark und Bronze an Asahi Super Dry Shunrei Karakuchi von Asahi Breweries Ltd aus Japan.
Alle weiteren Siegerbiere sind online zu finden unter: www.brewingawards.org

 

Bier & Cider neu interpretiert
Bill Taylor, Vorsitzender der Jury der International Brewing Awards and Cider Awards, australischer Bierbrauer und Buchautor, und Gabe Cook alias The Ciderologist, der Apfelwein-Experte aus Dymock, Großbritannien, sprachen mit uns über die neuesten Bier- und Cider-Awards.

 

Was sollten Brauereien wissen, wenn sie nächstes Jahr an den Awards teilnehmen möchten?

Bill Taylor (BT): Die International Brewing Awards und die Cider Awards stützen sich bei der Beurteilung auf über 50 Branchenexperten aus über 20 Ländern der Welt, die alle an der kommerziellen Herstellung von Bier und Apfelwein beteiligt sind oder Erfahrung mit dieser haben. Bereiten Sie sich also darauf vor, dass Ihre Produkte einen strengen Prozess durchlaufen!

 

Welche Stile werden bewertet?

BT: Es gibt keinen Fokus auf Stildefinitionen. Daher haben die Teilnehmer viel Spielraum, um zu gewinnen, unabhängig davon, ob ihre Beiträge traditionell sind, Interpretationen der Originalstile oder Neuerungen, die nicht den vorherigen Stilrichtlinien entsprechen.

 

Woher stammen die besten Biere?

BT: Wir haben über 1000 Einsendungen aus über 200 Ländern aus der ganzen Welt, darunter auch aus Österreich, erhalten. Diese Vielfalt macht die International Brewing & Cider Awards so spannend und unterscheidet sie von anderen Wettbewerben. Nichts ist vorhersehbar. Zum ersten Mal in diesem Jahr hat zum Beispiel ein Craft Brewer aus China eine Goldmedaille für saures Bier gewonnen! Jeder hat die Chance, bei diesen Awards zu gewinnen.

 

Bill Taylor, Vorsitzender der Jury der International Brewing and Cider Awards

 

Sind in diesem Jahr neue und ungewöhnliche Biere und Cider vertreten?

BT: Bei den Awards haben wir im Laufe der Jahre viele neue und ungewöhnliche Biere und Apfelweine gesehen. Auffällig in diesem Jahr ist die Zahl der sauren Biere. Tradition spielt nach wie vor eine große Rolle, aber moderne Zutaten und Methoden verleihen den Produkten neue Dimensionen.

Gabe Cook (GC): Wir sehen eine Zunahme an aromatisierten Apfelweinen und es gibt einige Apfelweine, bei denen mit botanischen Zutaten experimentiert wurde. Dies ist höchstwahrscheinlich eine Antwort auf die anhaltende Beliebtheit von Gin.

 

Welche Innovationen beobachten Sie?

BT: Brauereien und Apfelweinhersteller sind immer innovativ – einige, indem sie zu traditionellen Braumethoden zurückkehren, andere durch einen moderneren Ansatz.
Größere Brauereien verwenden beispielsweise innovative Technologien, um den Geschmack neuer Sorten mit niedrigem Alkoholgehalt zu verbessern, und andere verwenden verschiedene Hefen und Zutaten, um mit Aromen zu experimentieren und sie zu verbessern.

 

Gabe Cook alias The Ciderologist

 

Was bedeutet das im Detail?

BT: Vom Fassausbau über die Verwendung von Hopfenölen bis hin zu anderen experimentellen Prozessen setzen Brauereien eine hohe Messlatte, wenn es darum geht, kreativ zu werden. Wir haben gesehen, wie viele von ihnen ungewöhnliche Hopfensorten und Kräuter mit großer Wirkung getestet haben. Es gibt keinen „heiligen Boden“ mehr und sicherlich ist nichts tabu! Kleinserien und kollaborative Suds sind beides Beispiele für Brautechniken, die aufregende Ergebnisse liefern. Da es sich bei diesen Produkten oft um einen eingeschränkten Produktlauf handelt, kann es schwierig sein, diese Biere zu kaufen. Dies hat jedoch zur Folge, dass der Markt dynamischer ist als je zuvor.

 

Und wie sehen aktuelle Cider-Trends aus?

GC: Im Hinblick auf die Innovation von Cider sehen wir die Entstehung von Co-Fermentationen, bei denen Äpfel und Trauben zusammen fermentiert werden, mit interessanten Ergebnissen. Wir sehen auch, dass „Eiswein“ immer beliebter wird.
Einige Hersteller pressen gefrorene Äpfel oder verwenden ein Verfahren, das als Kryokonzentration bezeichnet wird, um den Zucker im Saft der Äpfel zu erhöhen, wodurch ein süßeres Endprodukt entsteht, das einem Dessertwein ähnelt.

 

Was sollten Gastronomen über internationale Bier- und Cidertrends wissen?

BT: Trends können oft kommen und gehen, wir raten jedoch, regelmäßig mit ihren Lieferanten oder lokalen Herstellern zu sprechen und die wichtigsten Merkmale der aktuell kreierten Biere und Apfelweine zu verstehen.

 

Was wollen Kunden wissen?

BT: Immer mehr Kunden interessieren sich für Stile, Qualitäten und Geschmacksprofile und wissen oft auch viel darüber. Letztendlich geht es darum, die Gäste an Gesprächen zu beteiligen und auch selbst Feedback einzuholen, um sicherzustellen, dass man eine aufregende Getränkekarte anbietet, die das Beste des heutigen Brautalents darstellt.

 

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Kategorie: Newsletter, Awards/Preise

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