Warum regional? – Mythos Regionalitaet

18. Oktober 2019 Mehr

Warum regional? – Mythos Regionalitaet

Regionale Produkte sind gefragt – aber, warum eigentlich? Eine aktuelle Studie zum „Mythos Regionalität“ geht der Frage auf den Grund, was Österreicher mit dem Begriff „regional“ verbinden. Regionalität in der Gastronomie ist außerdem Thema mehrerer aktueller Studien und Initiativen in Österreich.

Tausend Österreicherinnen und Österreicher haben 2019 an der Online-Befragung von INTEGRAL und T-FACTORY zum Mythos „Regionalität“ teilgenommen. Zusätzlich wurden – getrennt nach Geschlecht – jeweils sechs Teilnehmer in Form einer zweistündigen Gruppendiskussion befragt.

 

Foto:©alicja neumiler

 

Wozu brauchen wir Regionalität?
Mehr als 80 Prozent der Befragten bezeugten ein starkes Interesse am Thema Regionalität und regionale Lebensmittel. Die Gründe dafür sind vielschichtig. Frauen verbinden mit „Regionalität“ demnach vorwiegend Umweltfreundlichkeit, Transparenz und die Förderung der regionalen Wirtschaft, besonders in Bezug auf kleinere Betriebe. Männer assoziieren vermehrt besondere Frische, aber auch Begriffe wie Heimat und Sinn.
Insgesamt geht aus der Grundlagenstudie hervor, dass Konsumenten in einer als bedrohlich empfundenen Zukunft nach Orientierung suchen. In diesem Zusammenhang wird Regionalität die Hoffnung auf eine lebenswerte Umwelt, eine Schutzzone für die Familie und einen besonders guten Geschmack – nicht zuletzt auch als Zeichen eines überlegenen Bewusstseins – zugesprochen.

Was ist regional?
Doch was sind „regionale“ Produkte? Gemeint sind allgemein Produkte aus dem näheren Wohnumfeld, wobei der Radius deutlich schwankt. Zudem werden oft frische Produkte wie Eier, Brot, Gemüse, Milchprodukte, Fleisch und Obst assoziiert. Im Großen und Ganzen verstehen Österreicher unter Regionalität aber auch einfach Produkte aus Österreich. So sind etwa für den Wiener Produkte aus Vorarlberg regional, solche aus dem näheren Ausland aber nicht. Darüber hinaus können auch Produkte aus internationalen Regionen dazuzählen, wenn hier ein „regionales Qualitätsversprechen“ gegeben wird. Das heißt, Konsumenten erwarten, dass regionale im Gegensatz zu industriellen Produkten frei von Gentechnik sind und hohen Standards in Bezug auf Hygiene, Tierhaltung usw. entsprechen.

 

Echtes Bauernfrühstück
Im Linharterhof in Haus im Ennstal können Gäste Urlaub am Bauernhof erleben. Zum Frühstück gibt es authentische Gaumenfreuden aus der Region Schladming. Viele Produkte wie Käse, Milch, Joghurt, Bauernbrot, Kräutertees sowie verschiedene Säfte stammen sogar vom eigenen Hof. Dazu gibt es hausgemachte Aufstriche und Marmeladen von Oma Greti. Serviert werden die lokalen Köstlichkeiten in der urigen Zirbenstube – natürlich in echter Gmundner Keramik.
On Zimmer mit Frühstück, Ferienwohnung oder Almchalet – vermittelt werden soll echtes Lebensgefühl am Bauernhof und nicht zuletzt auch ein Stück der eigenen Heimat.

Foto:©Linharterhof / Christine Höflehner

Linharterhof in Haus im Ennstal
www.linharterhof.at

Teuer ist gut
Max Hiegelsberger, Landesrat Oberösterreich und selbst Landwirt bestätigt: „Die Gäste spüren und schmecken die Zusammenarbeit mit heimischen BäuerInnen, aber auch die Pflege der echten österreichischen Gastlichkeit. Top-Qualität, Regionalität, Saisonalität und Frische der Produkte sind Markenzeichen unserer landwirtschaftlichen Betriebe und auch der Gastronomie. Dafür gibt es auch eine größere Zahlungsbereitschaft bei den Gästen – und so profitieren Wirt und Bauer.“
Auch laut Studie sind Konsumenten durchaus bereit, einen rund 10 bis 20 % höheren Preis zu zahlen. Nicht nur in Österreich übrigens. Ein hoher Preis bei regionalen Produkten ist aus Sicht vieler Konsumenten beispielsweise auch in den USA kein Hinderungsgrund und wird im Gegenteil oft sogar als wichtiges Qualitätsmerkmal wahrgenommen. Zu dem Ergebnis kommt eine Studie der Indiana University Kelley School of Business und drei andere US-Universitäten.

 

Vom Bauern nebenan
Am regionalen Frühstücksbuffet im Hotel Der Freiraum im burgenländischen Güssing finden Gäste erlesene Köstlichkeiten von Produzenten und Bauern aus der Region. Obst und Gemüse sind frisch geerntet, Brot und Mehlspeisen gerade erst gebacken und die Aufstriche und Säfte handgemacht. Und natürlich kommen auch die Eier frisch von Nachbars Huhn. Freiraum bedeutet hier sowohl Genuss des regionalen Raums als auch die Freiheit, diesen bei einem Langschläfer Frühstück bis elf Uhr gerne auch einmal bis in den späten Vormittag auszudehnen.

Hotel Der Freiraum in Güssing
www.der-freiraum.at

 

Wer sucht Regionalität?
Zielgruppe für regionale Produkte sind laut Studie zum einen Etablierte und Performer. Wesentliche Motive sind für diese zum einen der Anspruch auf Status und Prestige aufgrund persönlicher Leistungen und Verdienste, zum anderen aber auch die Übernahme von Verantwortung für die kommenden Generationen. Das Angebot „Regionalität“ kommt dieser Zielgruppe besonders dann entgegen, wenn es um die Wertschätzung von Tradition, die Entdeckung des Besonderen im Nahbereich und die Demonstration des überlegenen Geschmacks geht.
Eine weitere Zielgruppe sind Postmaterielle und Konservative. Für diese zählt laut Studie Selbstverwirklichung in sozialer Verantwortung ebenso wie Nachhaltigkeit, Ökologie und soziale Gerechtigkeit. Mit Regionalität werden zum einen ökologische Sicherheit und Nachprüfbarkeit verbunden, zum anderen aber auch die Erdung durch Heimat.
Als dritte Zielgruppe definiert die Studie Adaptiv-Pragmatische und die Bürgerliche Mitte. Ihnen geht es um angemessenen Wohlstand, Sicherheit und Verankerung. Regionalität erweckt dabei zum einen das Vertrauen in gesunde und allgemein wertgeschätzte Produkte, zum anderen bedeutet sie aber auch die Zugehörigkeit zur Heimat und die Abgrenzung gegenüber äußeren Bedrohungen.

 

wiss’n, wo’s herkimmt
„Wir sind ein bisserl anders als die Anderen“, erklären Claudia und Erwin Domenig vom Seehotel Kärntnerhof am Weissensee. Die Hoteliers begnügen sich dabei nicht nur mit dem Wissen, den größten Seegrund direkt am Wasser zu haben, sondern zeigen sich bewusst gemütlich, persönlich, regional und geerdet.
Vom Dorfbäcker kommt täglich das frische Gebäck. Die hausgemachten Marmeladen wie Holler-Mandel oder Berg-Kuddel-Muddel stammen vom Bauern nebenan, der Bienenhonig von den benachbarten Stöcken und die Milch- und Milchprodukte kommen von der Kärntner Milch. Berg- und Almkäse werden von Hermagor geliefert, Hirschsalami, Speck, Verhackerts, Hauswürstl und hausgemachter Schinken aus Greifenburg und die hausgebackenen Kuchen macht die Oma.

Seehotel Kärntnerhof am Weissensee
www.kaerntnerhof.ath

 

Regionalität in Gastronomie und Tourismus
Für die Vermarktung des eigenen regionalen Angebotes bedeutet das wohl auch, dass es Sinn macht, zu differenzieren und nicht nur die geografische Nähe der Produkte hervorzuheben, sondern – je nach Zielgruppe – durchaus auch die traditionelle Fertigung, die Naturverbundenheit des Herstellers oder die besondere Qualität der nur in kleiner Stückzahl hier exklusiv erhältlichen regionalen Erzeugnisse. Besonders gut gelingt die zielgerichtete Präsentation regionaler Erzeugnisse bereits in der heimischen Hotellerie. Hier finden Gäste zumeist regionale Besonderheiten oder rustikale Bauernecken im Rahmen des Frühstücksbuffets. Und auch die Speisekarte für den Abend bietet ausreichend Gelegenheit, regionale Erzeugnisse hervorzuheben.

Noch nicht flächendeckend angekommen ist dagegen der Wert regionaler Produkte in der Gastronomie. Deshalb wurden in jüngster Zeit mehrere Initiativen ins Leben gerufen. Mit dem Projekt „Salzburg schmeckt“ möchten etwa die Salzburger Unternehmen Gasteiner Mineralwasser, Hofbräu Kaltenhausen sowie das Agrarmarketing Salzburg aktuell regionale Besonderheiten auch in der Salzburger Gastronomie sichtbar machen. Und für Spitz, Gmundner Milch und Zipfer untersuchte Marketagent.com im Frühling 2019 explizit die Bedeutung von Regionalität in der oberösterreichischen Gastronomie und im Handel. Dabei zeigte sich, dass vor allem Eier, gefolgt von Fleisch und Wurstwaren vor Obst und Gemüse, aus regionaler Herkunft gefragt sind – im Handel allerdings mehr als in der Gastronomie.

 

Regional und hausgemacht
Im Hotel Bären in Vorarlberg stehen die einfachen und guten Dinge im Mittelpunkt: natürliche und echte Materialien, handgefertigte Möbel aus dem Bregenzerwald, lokale Erzeugnisse und gesunde Produkte in der Küche. Das regionale Superfrühstück ist inzwischen weit bekannt. Gutes Brot vom Dorfbäcker, frisches saisonales Obst, hausgemachte Aufstriche, Müsli und regionale Spezialitäten, sowie das vegane und glutenfreie Angebot sind gute Gründe morgens aufzustehen. Im gemütlichen Café Deli werden Slow Food, hausgemachte Kuchen und Specialty Coffee serviert und auch entsprechend für den Gast präsentiert.

www.baerenmellau.at

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Kategorie: F&B, Newsletter

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