Wellness vom Feinsten – Hotel Plesnik

5. März 2018 Mehr

Mitten im Zentrum eines Naturschutzgebietes in Slowenien befindet sich das Wellness-Hotel Plesnik. Es ist ein familiengeführtes Boutiquehotel mit 80-jähriger Tradition in einer einzigartigen Lage: Am Ende des von Gletschern geformten Logar-Tales gelegen, bietet es einen außergewöhnlichen Blick auf die majestätischen Gipfel der Kamniker Alpen. Das Tal wird von vielen Menschen als eines der schönsten in ganz Europa betrachtet, was sicher mit ein ausschlaggebender Grund für die Renovierung der Wellnessbereiches des Hotels war. Die Familie Plesnik führte schon seit der Zeit vor dem 2. Weltkrieg einen Betrieb in der unmittelbaren Nachbarschaft des heutigen Standortes. Das jetzige Hotel wurde in den Jahren 1992-94 errichtet und schon nach seiner Eröffnung 1995 wurde es ein Synonym für modernen Komfort und Gastfreundlichkeit in der Region.

 

ENOTA arhitekti Hotel Plesnik 2017

 

Nach Abschluss der Renovierungsarbeiten 2017, die vom slowenischen Architekturbüro ENOTA seit 2015 geleitet und durchgeführt wurden, hat der gesamte Wellness- und Poolbereich einen neuen Touch bekommen. Ein Großteil der bisher existierenden Wellnesslandschaft war im Erd/Untergeschoss der Architektur situiert: Er bestand aus einem kleinen, organisch geformten Schwimmbecken, das sich auf ein Sonnendeck direkt vor dem Haus öffnete. Um den Platz für die neuen, benötigten Funktionen und Bereiche zu schaffen, hat man das Becken teilweise durch einen großen Whirlpool ersetzt und einen anderen Teil des Pools – näher am Aussichtsbereich in das Tal – mit einer neuen Funktion als abgesenkte, kreisförmige Ruhezone mit einem mittigen Feuerplatz versehen. Die Sonnenterrasse wurde mit einem Naturschwimmbecken vergrößert, dieses verlängert nicht nur die Wasserfläche im Innenbereich, sondern es wird auch durch die Reflexion des Wassers ein weiterer raffinierter Akzent beim Betrachten der Landschaft gesetzt.

Trotz der natürlichen Filtrierung und Reinigung durch Wasserpflanzen ist das Schwimmbecken eindeutig rechteckig und somit als logische Ausdehnung und flächenmäßige Erweiterung des Gebäudekomplexes entworfen und zu verstehen. Es erhebt keinerlei Ansprüche, sich in die umgebende Natur einzufügen. Als Referenz an die innen liegende Ruhezone mit dem offenen Kamin wurde auch eine Ruhezone mit einem Feuerring in der Mitte der Wasserfläche im Außenraum platziert. Als Besucher und Benutzer des Wellnessbereiches kommt man in den Genuss eines nie endenden Dialoges zwischen Wasser und Feuer. Diese zwei Elemente akzentuieren natürlich auch den Eindruck der umgebenden Hügel und Berggipfel.

Das gesamte Ambiente des Wellnessbereiches ist ausschließlich mit natürlichen, lokalen Materialien gestaltet. Die wellenförmigen Innenwände waren aufgrund der komplexen, heterogenen Konstruktion der ursprünglichen Gestaltung notwendig. Eine überlegte Organisation dieses Innenbereiches umschließt und bereinigt alle Unregelmäßigkeiten und formt nun einen fließenden Raum, der zusammenfasst, wie das Logar-Tal selbst. Die mit Kieselsteinen verkleideten Wände bewirken eine physische Transition des Inneren in den Außenbereich und teilen mit ihren Verlängerungen im Außenbereich das Sonnendeck optisch in drei Zonen: Sauna, Wellness und Eingang.
Die Ansichten dazwischen sind voll verglast und ersetzen die ursprünglichen bogenförmigen Fenster. Die Vergrößerungen der Fassadenöffnungen schaffen weiterhin eine Verbindung des Wellnessbereiches mit dem pittoresk/alpinen Äußeren des Hotels und schwächen aber gleichzeitig seine Präsenz etwas ab, auch durch die Vergrößerung seines Sockelteiles. Dadurch, dass die Planer diesen Bereich von allen ausgeprägten architektonischen Elementen frei gehalten haben, bezieht sich der Wellnessteil eher zum umgebenden Terrain als zum Hauptgebäude.

Die Architekten haben einen intimen Wellness-Club kreiert mit Ausblicken in die Berge und einem architektonischen Design, das in Slowenien keinen Vergleich zu scheuen braucht. Die mit Kieselsteinen bedeckten Wände im Saunabereich und subtile Lichtstimmungen tragen zur Entspannung bei. Ein Meister des Ayurveda behandelt etwaige Verspannungen der Gäste und bringt sie in einen Zen-Zustand.

Das Projekt der ENOTA Architects zeigt, dass unter Berücksichtigung eines Bestandes sehr wohl Neues hinzugefügt werden kann, ohne aufzufallen oder zu zerstören. Eine zurückhaltende Auffassung, eine Reduktion der Bildmächtigkeit schafft in diesem Fall eine Architektur, die den Menschen, den Gast als Nutzer in den Mittelpunkt stellt, und trotzdem (oder gerade deshalb) völlig ihren Zweck erfüllt.

 

 

Wellness-Hotel Plesnik

Bauherr: Plesnik turizem in marketing
Planung: Enota

Bebaute Fläche: 560 m2
Footprint: 475 m2
Nettofläche: 363 m2
Planungsbeginn: 2015
Dauer: 5 Monate
Fertigstellung: 2017
Baukosten: 450.000 Euro

Text:©Peter Reischer

Fotos:©Miran Kambič

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Kategorie: Allgemein, Projekte